Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 2
- Article
- Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 209 (sequence 9)
- Language
- German
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Schnapper-Arndt, Jugendarbeiten Ludwig Börnes über jüd. Dinge. 209 comrnission am Entwürfe vorschlugen, waren im Ganzen nicht sehr erheblich und tendirten ebensoviel nach einschränkender wie nach liberaler Richtung ^). Die Ansichten der Generalcommission (in denen zugleich die Monita des Senats bearbeitet sind), finden sich zusammengefaßt namentlich in einem an Dalberg gerichteteten Actenstück vom 22. September. Ueber dieses hatte wiederum* Eberstein, der am 4. August 1807 mit dem Fürsten Frankfurt verlassen hatte und bei demselben in Paris bezw. Fontainebleau weilte^), sein Gutachten abzugeben. Den liberalen Abänderungsvorschlägen der Generalcommission trat er bei, die illiberalen suchte er meist zu bekämpfen. Aber der Fürst entschied in den meisten strittigen Punkten gegen Eberstein zu Gunsten der engeren Ansicht. Selbst in den die Manufacturen Und Fabriken betreffenden Contreversen that er dies, obschon gar nicht zu bezweifeln ist, daß gerade Manufacturen unter den Juden zu befördern von jeher zu Dalbergs Lieblingswünschcn gehört hat. Aber unpraktisch, die menschliche Natur verkennend, wo immer möglich an das Alte anknüpfen wollend 2), wußte er in seinem Geist auch Beschränkungen, die wesentlich auf Engherzigkeit und geschäftliche Mißgunst zurückzuführen waren, sich als erzieherische Maßregeln plausibel zu machen, und so verhalf er Bestimmungen zur Annahme, die gerade den von ihm gewünschten Fortschritt gänzlich hätten unmöglich machen müssen. Am 5. October erging von Fontainebleau aus ein Rescript, welches die schwebenden Kontroversen erledigte, an die Generalcommission zu Frankfurt am Main. Daraufhin abermalige theilweise Redaction durch Seeger, die Ende October nach Paris geschickt wurde. Dort Bornahme noch einiger kleinen mehr formalen Abänderungen ^). Dann endlich wird das Actenstück von Eminentissimus unterzeichnet Paris den 30. November 1807. Mit einem Rescripte vom gleichen Datum wird die unterfertigte Urkunde uach Frankfurt am Main gesandt. Dieses Rescript bildet einen merkwürdigen und bezeichnenden Abschluß der ganzen kläglichen Reformarbeit. In einem pathetischen, schwungvollen Tone verherrlicht es Aufklärung und Cuttur, die derzeitigen Juden in einen um so größeren Gegensatz hierzu stellend, und es gelangt zu Wendungen, in denen man wenige der alten Cirkelschlüsse und Nothbehelse vermißt, Wendungen, die weit mehr geeignet gewesen wären einem Acte der Bedrückung als einem Acte der Befreiung zur Rechtfertigung zu dienen S. Näheres in den Excursen. 2) Von dieser Reise kam Dalberg am 18. März 1803 nach Frankfurt zurück. (S. Beaulieu Marconnay II, 163). 3) Charakteristisch für die historische Auffassung, mit welcher Dalberg anfangs an die Dinge heranging, ist ein Jnscripr, ä. ä. 30. März 1807 (H.et. vom. Ken. Vol. I), in dem er sagt, daß es bei Prüfung einer Beschwerde der Juden (es handelte sich um Beschränkungen im Weinhandel) darauf ankommen werde zu unterscheiden, ob die alte Stättigkeit die ursprüngliche Bedingung der Annahme der jüdischen Nation in Frankfurt gewesen oder ob stufenweise Bedrückungen nach und nach eingeführt worden seien. 4) Meist aus einer gutmeinenden Absicht Ebersteins hervorgehend, der gewisse Bestimmungen, durch besondere stylistische Einkleidung weniger verletzend machen wollte. 2) In der That sind die betreffenden Stellen bei dem späteren Ansturm auf 14*