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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 2 · p. Seite 208

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 2
Article
Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüdische Dinge
Date
1890-01-01
Page
Seite 208 (sequence 8)
Language
German
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208 Schnapper-Arndt: Jugendarbeiten Ludwig Börne's über jüd. Dinge. wie des Freiherrn von Günderrode ^). Ebersteins Punktationen fielen von vornherein weit illiberaler als die böhmische Judenordnung aus; Eberstein hat zwar, wie er anführt, zugleich mehrere Vorstellungen 2) der Judenschaft zu Rathe gezogen und mit dem Ausschusse der Gemeinde mehrfache Besprechungen gepflogen, aber von einem günstigen Einflüsse von Vorstellungen und Besprechungen auf die Arbeit des Staatsmannes ist wenig zu merken und man muß vermuthen, daß entgegenstehende Einwirkungen sich als die mächtigeren erwiesen Habens. Am 12., 13., 18., 19. und 25. Juni, endlich am 18. Juli fanden die Berathungen der Specialcommission statt. Man ging zunächst die Punktationen, dann aber auch die alte Stättigkeit von 1616 durch, nahm aus dieser gleichfalls, was man für angezeigt hielt, in den neuen Entwurf hinüber und übertrug Eberstein dessen Redaction. Am 21. Juli waren die Dinge so weit gediehen, daß die Commission dem Fürsten officiell und Eberstein demselben gleichzeitig privatim berichten konnte. Aus ebenerwähntem Separatberichte Ebersteins ersieht man, daß dieser selbst von dem Elaborate, das er jetzt vorzulegen hatte, durchaus nicht mehr erbaut war. Gewissermaßen hinter dem Rücken seiner Mitarbeiter setzt er hie und da Einiges aus, rückt er mit einigen Wünschen hervor. So war z. B. das Ghetto, wenn schon das erweiterte und unverschlossene Ghetto, auch in der neuen Ordnung beibehalten worden. Eberstein meinte, seine Hoheit solle sich wenigstens für besondere Fälle das Recht reserviren, Personen die sich durch Rechtschaffenheit, Gelehrsamkeit u. s. w. ausgezeichnet, Dispense von der Wohnbeschränkung zu ertheilen Endlich, als er den Entwurf der General-Commission (Seeger, Beust) zuschickte, schrieb er geradezu: „Wenn ich mir auf der einen Seite bewußt bin, nichts darinn aufgenommen zu haben, was einer zu großen und der großen Meisterin des „Weltalls, der Zeit, vorgreifenden Begünstigung der Juden ähnlich sehen „möchte, u. daher überzeugt bin, dass wohl eher die Juden über betrogene „Erwartungen klagen möchten; So muß ich auf der andern Seite aufrichtig „bekennen, dass kaum irgendwo in Deutschland ein weniger liberaler Geist, „und dagegen mehr Vorurtheil — nicht unter dem Pöbel und der Niedern „Bürger-Klaße, sondern unter den h'öhern Ständen ja selbst unter der „Na^iLtratur herrsche, als zu Frankfurt. Eine Wahrheit, die tausend Erfahrungen zur Gewißheit bei mir erhoben haben". Diese Betrachtungen kamen nach gethaner Arbeit zu spät. Geh. Rath Seeger fand sich um nichts weniger durch die „schöne und vortreffliche Arbeit des Herrn Verfassers zum Beisall hingerissen" ^), und die Abänderungen, welche nunmehr der Senat, namentlich aber die General- Vgl. Stricker a. a. O. S. 74 ff. 2) Darunter namentlich die schon S. 203 citirte vom 13. Mai 1807. s) Eigenthümlich ist, daß Eberstein in seinen Berichten das Rescript vom 27. Dec. 1806 nicht ausdrücklich erwähnt, obschon seine Punktationen mehrfach an die in letzterem ausgestellten Normen erinnern. 4) S. Weiteres in den Excursen. 5) ä. <Z. 4. Aug. 1807.

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