Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Schlesien
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 195 (sequence 14)
- Language
- German
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G. Wols: Zur Geschichte der Juden in Schlesien. 195 neuen k>r1ora.) daß die Kanzlei sowol, so lang ich dermalen Obrist Kanzler t) derselben vorzustehen die allerhöchste Gnade habe, als auch in vorigen und schon alten Zeiten ihres Ortes allezeit dafür gewesen, daß die Judenschaft aus Eurer Majestät königl. Böhmischen Erbländern womöglich hinausgebracht oder doch auf eine unschädliche und das Publikum nicht beschwerende Anzahl reducirt werden möchte, wie dessen noch das jüngste Exempel der aus Schlesien bis auf einige wenige privileAatos abgeschaffte Judenschaft äe amw 1738 unter mir oberster Kanzler das Zeugniß abgeben kann, welches auch dann darum zu Stande gekommen, weil dort in Schlesien mit der Judenschaft die Kanzlei stets von der Kammerhofstelle ungebundene Hände gehabt 2). Mit eben solcher Behändigkeit wird nun auch, da es auf Böhmen ankommen soll, die Kanzlei zu Werke schreiten. Jedoch :c." s). Es muß jedoch hervorgehoben werden, daß man sich von verschiedenen Seiten aus gegen den Ausweisungsbefehl zur Wehre setzte, da befürchtet wurde, daß die Ausweisung äe äato 10. Juli 1738 volkswirthschaftlich großen Nachtheil für das Land haben würde. Zunächst heben wir ein Memorial der Pleßnischen Landstände wegen Beibehaltung der bei den Branntweinhäusern unentbehrlichen Juden vom 3. December 1738 hervor. Es wird bemerkt, daß in Ansehung des schleichen Handels, der größte und bedeutendste Zufluß von Seiten der Juden in Polen komme. Wenn es den Juden verboten wird nach Schlesien zu kommen, so werden voraussichtlich große Steckungen im Verkehr eintreten. Nun sei es allerdings richtig, daß die Juden wiederholt ausgewiesen wurden, in Anbetracht des Schadens jedoch, der durch die Auswanderung entstanden wäre, ließ man die Sache wieder fallen und werden diesbezügliche Beweise aus der Geschichte beigebracht, daß die Juden nie das ganze Land verlassen haben. Das Memorial schließt mit folgenden Sätzen: „So leben wir der gänzlichen Zuversicht Ihre Kais. Majestät unser allergnädigste Herr werden uns, die hiesigen Landstände, bei dem also so wol hergebrachten xo8363s und Befugniß, die sonst im ganzen Lande zu halten vergönnende priviligirte Prager und wenige polnische Juden, welche allhier an der polnischen Grenze ganz ') Philipp Ludwig Gras von Sinzendorf. 2) Die Hofkammer, das jetzige Finanzministerium, war stets gegen die Ausschaffung der Juden, da sie aus die Judensteuer nicht verzichten wollte. 2) G. Wolf, Die Vertreibung der Juden aus Böhmen; im Jahrbuch für die Geschichte der Juden und des Judenthums IV, 159,