Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Geschichte der Juden in Schlesien
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 186 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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186 G. Wols:.Zur Geschichte der Juden in Schlesien. keine höhere Maut und Zollgebühren als die Christen zu zahlen und daß ihre Häuser der kaiserlichen Schloßjurisdiction, Botmäßigkeit, Protection und Schutz unterworfen sind. Es wird ihnen ferner gestattet, Vieh nach Bedarf zu schlachten und daß sie ihren Begräbnißort gegen vorher accordirte Verzinsung von 60 Thaler, zu 36 weiße Groschen jährlich, die jedes Mal zu St. Michael im kaiserlichen Schlosse zu erlegen sind, erhalten können. Diese Privilegien wurden von Kaiser Leopold, Wien, 16. Juli 1659, und von Kaiser Joses, Wien, 29. November 1708, bestätigt. Nun hatten sich die Verhältnisse leidlicher gestaltet und es wohnten in Glogau Christen und Juden gemeinschaftlich in einer Wohnung, ja sie theilten manchmal zusammen ein Zimmer oder eine Kammer. Da erging am 19. October 1710 der Befehl, dieses „große Aergerniß" nicht weiter zu dulden t). Im Jahre 1728 brachten die Juden in Wien beim Kaiser mehrere HravarmQa?) über die Zustände ihrer Glaubensgenossen in den böhmischen Erb landen (d. h. in Böhmen, Mähren und Schlesien) ein. (Wie wir an anderen Orten nachgewiesen haben, kam es nicht selten vor, daß die Wiener Juden für ihre Glaubensbrüder in der Provinz oder im Auslande eintraten.) Der Kaiser verlangte hierauf, daß eine Commission, bestehend aus Mitgliedern der Hofkanzlei (jetzt Ministerium des Innern) und der Hofkammer (jetzt Finanzministerium), über die vorgebrachten 6ra,vawilla berathe und dem Kaiser Bericht erstatte. Die Hofkanzlei fühlte sich darüber gekränkt, daß eine eigene Commission eingesetzt werde, um die vorgebrachten kravawina. der Juden zu begutachten und äußerte sich: Außer in Polen gebe es nirgends so viel Juden, wie in den böhmischen Erblanden, und wäre man froh, wenn man sie ausweisen möchte. In Schlesien wurden die Juden in den Jahren 1582, 1584, 1585 und 1604 vertrieben; im Jahre 1639 jedoch findet man Juden, die Brauhäuser, Bierschänken und Wirthshäuser in Urbar haben; sie sind auch Mauthner. In der letzten Zeit schlichen sie sich in eine Buchdruckerei ein, welche 1661 behufs christlicher Zwecke errichtet wurde ^). Benedict Israel erhielt 1598 das Privilegium in Glogau wohnen zu dürfen, im Jahre 1714 lebten aber bereits 2000 „Benedixer" (will nämlich sagen Verwandte, Bekannte:c. in Glogau). „Glatz befindet sich Gottlob ohne Juden." t) Nach kanonischem Recht ist bekanntlich das Zusammenwohneu der Christen mit Juden verboten. 2) Z)je Beschwerden liegen nicht vor. 2) Vergl. Brann a. a. O. S. 221, Anm. 1.