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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 2 · p. Seite 173

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 2
Article
Die Entstehung einer jüdischen Gemeinde
Date
1890-01-01
Page
Seite 173 (sequence 4)
Language
German
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A. Warschauer: Die Entstehung einer jüdischen Gemeinde. 173 zählt der sireng katholische gleichzeitige Stadtschreiber, „verließen, da sie in verschiedener Weise von allen Leuten gequält wurden, freiwillig die Stadt". Ein Versuch des protestantischen Adels, sie wieder in die Stadt einzuführen, verlief am Auferstehungssonntage 1617 unter dem Donner der Büchsen- und Pistolenschüsse und den Drohungen des fanatisirten Volkes ergebnislos. Diesen Zeitpunkt des höchsten Triumphes der Unduldsamkeit in der Hauptstadt benutzte der Grundherr der Herrschaft Schwersenz, um Hilfe zu bringen. Der allgemeinen Sitte der Großgrundbesitzer seines Landes und seiner Zeit folgend, beschloß nämlich auch er, eine Stadt aus seinem Boden zu gründen und dieselbe mit den Anhängern der verfolgten Glaubensgemeinschaften zu bevölkern. Er begann mit den Juden. Am 3. Juni 1621 schloß er mit den Nettesten der Gemeinde Posen einen Vertrag, der uns dem Wortlaut nach erhalten ist, und gewährte ihnen durch denselben das Recht, eine Art Filialgemeinde auf seinem Gute zu begründen und so durch die Abströmung der überzähligen Bewohnerschaft im Pesener Judenviertel bessere Lebensbedingungen zu schaffen. Das Wichtigste war, daß er ihnen den zu besiedelnden Raum nicht abmaß, sondern ihnen unter freier Hergabe der Bauplätze gestattete, so viele Häuser zu errichten, als ihnen gut erschiene. So entstand in kurzer Zeit hier eine stadtartige Ansiedelung, welche ausschließlich von Juden, und zwar lediglich von früheren Mitgliedern der Posener Gemeinde, bewohnt war. Noch zwei Jahrhunderte später war unter den Schwersenzer Juden die Ueberlieserung verbreitet, daß sie den Grund und Boden, auf dem ihre Stadt stand, in schwerer Arbeit aus dem Walde ausgerodet und sie zuerst allein bewohnt hätten. Von den Häusern erbaute 32 der Grundherr auf seine eigenen Kosten durch seine Handwerker und gab sie an jüdische Familien gegen einen mäßigen Miethszins ab, acht weitere Häuser erbaute die Posener Gemeinde aus ihre Rechnung und ließ sich von dem Grundherrn das freie Verfügungsrecht darüber zusichern. Der Bau weiterer Häuser wurde nicht nur vollkommen freigegeben, sondern es wurden auch die Bauplätze nach eigener Wahl der Juden und sogar das Bauholz aus dem herrschaftlichen Forste geschenkt. Mitten unter den neuen Ansiedelungen erhob sich die Synagoge, für welche ebenfalls der Grundherr den Platz und das Bauholz, die Posener Gemeinde aber die Arbeitskräfte zur Erbauung hergegeben hatte. Auch für die anderen öffentlichen Gebäude sorgte der Grundherr durch dieselben Vergünstigungen. So wurde ein Spital für Kranke beider Geschlechter erbaut, ein Wohnhaus für den Rabbiner, ein zweites für den Kantor, ein drittes für den Schulmeister, ferner ein Schulhaus, ein Brunnen für die rituellen Waschungen der Frauen, ein allgemeines Badehaus für Männer und Frauen, auch Platz

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