Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Entstehung einer jüdischen Gemeinde
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 172 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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172 A. Warschauer: Die Entstehung einer jüdischen Gemeinde. drängung der Juden auf einen engen Raum die Entstehung von Bränden begünstigen mußte. Im Jahre 1620 hatte die Gemeinde gerade wieder einen dieser wichtigen Processe verloren. Hiernach sollte es ihr nicht mehr gestattet sein, Häuser in den Vorstädten von Posen von adeligen Eigenthümern zu miethen. Es war dies bislang das einzige Mittel gewesen, den durch die Beschränkung auf eine Anzahl Ghettohäuser entstehenden Wohnungsnothstand zu mildern, und die Bestürzung unter der Gemeinde über diese gerichtliche Entscheidung war ebenso groß, als die Freude der Bürgerschaft, welche sogar durch ein persönliches Anschreiben des Königs zu Gunsten der Judenschast nicht bewogen wurde, Milde walten zu lassen. Auch eine Appellation von Seiten der Juden nutzte nichts. Als sie zurückgewiesen worden, ließ der Magistrat zum Danke für die Hilfe Gottes in dieser Angelegenheit ein öffentliches feierliches Hochamt in der Jesuitenkirche abhalten. Wir besitzen aus dem Jahre 1619 noch eine bei Gelegenheit dieser Streitigkeiten amtlich zusammengestellte Aufnahme des Judenviertels und seiner Bewohner nach Häusern, Stuben, Haushaltungen und Personen und lassen hier ein kurzes Stück dieser Liste folgen, weil dieselbe mit ihren Zahlenangaben die UnHaltbarkeit dieser Zustände, gegen welche die Wohnungsverhältnisse unserer jetzigen Arbeitsbevölkerung noch glänzende genannt werden müssen und welche durch die processualische Entscheidung noch eine wesentliche Verschlimmerung erfahren sollten, am klarsten verdeutlicht: „Zunächst das Haus des Juden Salomon, gegenüber dem Hause des Swidwa, in demselben 3 Stuben, 10 Wirtschaften, 38 Personen. Ferner das Haus des Juden Bienasch, 5 Stuben und 1 Laden, 12 Wirtschaften, 48 Personen. Das Haus des Juden Joseph, 3 Stuben, 1 Laden, 5 Haushaltungen und 16 Personen. Das Haus des Juden Daniel, 2 Stuben, 7 Haushaltungen, 17 Personen" u. s. f. Um dieselbe Zeit waren auch, allerdings aus Gründen anderer Art, die Protestanten in der Stadt Posen in eine unerhörte Nothlage gerathen. Zweimal, 1614 und 1616, hatte man ihre Gotteshäuser verbrannt und 1617 ihre gottesdienstlichen Uebungen, „um Aufruhr zu vermeiden", von Amts wegen vollkommen untersagt. „Die ketzerischen Geistlichen", so er¬ Beiträge zur Versassungs- und Culturgeschichte der Stadt Posen III. Der große Brand und der große Iudenproceß. In.-Zeitschrift sür Geschichte und Landeskunde der Provinz Posen" II, S. 103 ff.