Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Entstehung einer jüdischen Gemeinde
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 171 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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A. Warschauer: Die Entstehung einer jüdischen Gemeinde. 171 darunter Kurnik, Flatau, Krojanka, Lobsenz, Bartschin, Bnin und 736 Dörfer. Dazu bekleidete er als Wojwode von Kalisch eines der höchsten Staatsämter, war Senator des Reiches und wurde zu wichtigen Staatsgeschäften verwendet. Unter der Regierung Sigismund's III., Wasa, unter der in Polen die Zügel monarchischer Zucht sich schon bedenklich zu lockern anfingen, konnte ein Mann von solchem Ansehen unbeirrt seine eigenen Wege gehen und auf seinen Gütern eine Thätigkeit entfalten, die der streng orthodoxen Richtung der Staasregierung und des überhand nehmenden Einflusses der Jesuiten schnurstracks zuwiderlief. Er wurde ein Hort der um des Glaubens willen Unterdrückten und Verfolgten, und das von ihm gegründete Städtchen Schwersenz kann als ein sichtbares Denkmal seiner preiswürdigen Handlungsweise betrachtet werden. Zwei Religionsgemeinschaften waren es, deren er sich besonders annahm: die Protestanten und die Juden. Er selbst wurde der Hinneigung zu der lutherischen Lehre beschuldigt, ja, er soll sogar erst beim Herannahen des Todes wieder zum katholischen Glauben bekehrt worden sein So läßt sich das großartige Schutzsystem, welches er den Protestanten gegenüber entwickelte, auf die Glaubensgenossenschaft zurückführen. Von besonderem Interesse aber ist es, daß seine Thätigkeit zu Gunsten der Juden von gleichem Geiste beseelt ist und sogar noch früher eintrat, als die zum Besten der Protestanten. In beiden Beziehungen aber waren es besonders die Zustände in dem benachbarten Posen, welche ihn zum Eingreifen veranlaßten. Die jüdische Gemeinde zu Posen lag seit der ersten Hälfte des 16. Jahrhunderts in einem unaufhörlichen heftigen Streit mit der christlichen Bürgerschaft- Der eigentliche Grund für denselben war die Koncurrenz in Handel und Handwerk, durch welche die Juden das von Alters her in der Stadt eingeführte Jnnungssystem in seiner Existenzfähigkeit bedrohten. Die Handhabe für die Bürgerschaft aber boten die Feuersbrttnste, welche immer wieder von dem Judenviertel aus große Theile der Stadt in Asche legten. So war eS 1536 und wieder 1590 geschehen. Jeder dieser Feuersbrünste folgten jahrelange Processe, in denen der Magistrat in erster Reihe darauf ausging, die Juden vollständig aus der Stadt zu treiben, und da ihm dies nicht gelingen wollte, wenigstens sie auf eine bestimmte Anzahl Häuser im Judenviertel zu beschränken 2), obwohl ersichtlich gerade die Zusammen- ') Nisiecki, Herbarz Polski, e«Z. BobrowSki IV, S. 296. Lnkaszewicz, Historisch-statistisches Bild der Stadt Posen I, Cap.II, § 2. Perles, Geschichte der Inden in Posen, Breslau 1865, S. 18 ff. Warschauer,