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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 2 · p. Seite 168

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 2
Article
Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
Date
1890-01-01
Page
Seite 168 (sequence 42)
Language
German
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168 Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612—1618. sehe jetzt, wie der Rath die Juden vor den Christen begünstige. Die erst vor kurzem getroffene Bestimmung, kein Mandat solle ohne Zustimmung der Bürgerschaft erlassen werden, habe er verletzt, er solle daher dasselbe entweder entfernen oder den Wortlaut wesentlich verändern. Außerdem verlangte Fettmilch die Herausgabe der confiszirten Exemplare der Stättigkeit sowie die Zurücknahme des Verkaufsverbotes, sonst werde man sich selbst die Exemplare aus der Kanzlei holen. Helfrich Faust, der wie alle Mitglieder der Familie Faust ein entschiedener Anhänger des alten Regimes war, blieb Fettmilch die Antwort nicht schuldig. Er warf ihm vor, dem Bürgervertrag zum Trotz sei er jetzt mit großem Gefolge vor der Obrigkeit erschienen und greife ihr gleichsam ins Schwert, indem er ihr comminire und drohe; dieser Modus sei gar wunderlich und diene zum Scandale. Die Zurücknahme des Decrets bedeute einen Schimpf für den Rath. Der Wortwechsel zwischen den Petenten und den einzelnen Rathmitgliedern wurde immer heftiger, und als Fettmilch im Namen der gesammten Bürgerschaft gegen die Handlungsweise des Rathes protestirte, bemerkte Faust, ihn dauerten nur die frommen Bürger, die sich durch Fettmilch hinters Licht führen ließen und von alledem, was er in ihren: Namen handle, nichts wüßten. Als aber dessen Anhänger hierauf erklärten, völlig eines Sinnes mit ihrem Führer zu sein, erhob Faust seine Hand zum Himmel mit den Worten: „O Gott, bist du ein gerechter Gott, so thue ein Zeichen, daß dieser Mann gestrast werde, der an allem diesem Ursache ist, oder strafe mich, wenn ich die Ursache bin!" Diese feierliche Beschwörung verfehlte ihre Wirkung auf Fettmilch nicht. Er wurde sichtlich verlegen und begann sich zu entschuldigen; bald aber erlangte er seine Fassung wieder und erging sich in den beleidigendsten Ausdrücken gegen den jüngeren Bürgermeister, den er in Gegenwart aller einen Schelm nannte Am folgenden Tage wiederholte der Ausschuß Fettmilchs Forderungen „im Interesse des Friedens und der Einigkeit" 2). Als der Rath noch zögerte, fand man am nächsten Tag das Decret abgerissen. Zwar ließ er es wieder anschlagen und eine Wache davor stellen 2), im Uebrigen gab er aber dem Ausschuß nach; Sauer erhielt die confiszirten Exemplare wieder zurück; wahrscheinlich wurde auch der Verkauf der Judenstättigkeit wieder gestattet ein neuer Beweis für die Schwäche des Rathes. Immer mehr ') loiu. I ^et. 15 a; Diarium kistoricum 129; S. Brgun. 1613 24. III. 2) lom. II ^.et. 15 d und Diarium kistorieum 1. c. 3) Diarium kistorieum S. 130. 4) Diarium kistorieum; S. 129, Brgun. 1. c.

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