Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 169 (sequence 43)
- Language
- German
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Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612—1618. 169 trat an den Tag, daß Weitz und Fettmilch und der durch sie beherrschte Ausschuß allein das Heft in den Händen hatten und dem Rath bei jeder ihnen passenden Gelegenheit den Gehorsam aufkündigten^). Und dabei liefen von Zeit zu Zeit, wie wenn er noch im Vollbesitz seiner obrigkeitlichen Gewalt wäre. Schreiben sowohl vom Kaiser als von den Commissarien mit der Weisung ein, die Juden vor allen Gewalttätigkeiten zu schützen. Als ob er sich selbst davor hätte schützen können! Zu seiner Rechtfertigung gestand er den Commissarien und dem Kaiser seine eigene Ohnmacht gegenüber dem Ausschuß, weshalb erstere Mitte April diesen ernstlich erinnerten, „sich gegen den Magistrat alles gebührenden Respects und Bescheidenheit zu befleißigen und sich alles widerrechtlichen Gewalts gegen Christen und Juden zu enthalten" 2). Aber der Ausschuß fragte wenig nach diesen Erlassen. Fettmilch las entweder nur einige unverfängliche Stellen von den eingelaufenen Mandaten vor, oder, wenn ihm ihr Inhalt zu bedenklich erschien, unterschlug er sie wohl auch ganz ^). Weder der Kaiser noch die Commissarien schienen sich sonderlich um die Zwistigkeiten in Frankfurt zu bekümmern; ersterer hatte nicht einmal Zeit gefunden, den Bürgervertrag, trotzdem schon ein halbes Jahr verstrichen war, zu bestätigen; letztere zeigten sich überhaupt nicht mehr in der Stadt, auch die Subdelegirten waren abgereift; nur ab und zu kam aus der kaiserlichen, beziehungsweise mainzischen oder darmstädtischen Kanzlei ein Schreiben. Der Ausschuß gab sich der Hoffnung hin, man sei es entweder müde geworden sich weiter in den Streit einzumischen und lasse ihm vollständig freie Hand, oder man fürchte, durch energisches Vorgehen die Bürgerschaft in die Arme der Union zu werfen. Letztere Ansicht hatte besonders Weitz unter der Menge verbreitet. Nicht ohne sein Betreiben hatte sich die Bewegungspartei mit dem calvinistischen Herzog Moritz von Hessen- Kassel in Verbindung gesetzt und sich von seiner Universität Marburg in wichtigen Fragen Raths erholt. Weitz hoffte dadurch einen Druck auf die Commissarien und den Kaiser auszuüben. Somit wurde die Lage der Juden immer trostloser. Sie fühlten sich in ihrer eigenen Gasse nicht mehr sicher, da von ihren Gegnern geflissentlich das Gerücht ausgesprengt ward, daß in den nächsten Tagen die Judenhäuser geplündert werden würden. Ueber die Lage des Rathes um diese Zeit s. Kriegk. S. 299 ff. 2) Brgun. Bd. 9 Nr. 80. Kais. Com. Bd. 10 vom 17. IV. 2) S. sein eignes Geständniß hierüber in Kais. Com. 33^- ^Fortsetzung folgt.)