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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 2 · p. Seite 167

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 2
Article
Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
Date
1890-01-01
Page
Seite 167 (sequence 41)
Language
German
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Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612—1618. 167 Der bestehende Gegensatz ward noch durch das JnLriguenspiel des vr. Weitz verschärft. Bald erlangte dieser, da er der geistig Bedeutendste unter den Achtzehnern war und den Ruf eines hervorragenden Juristen genoß, die unbedingte Führerschaft über sie; nur einige derselben, wie der energische Hans Martin Baur, wagten sich ihm zu widersetzen. Einmal in seiner Stellung befestigt, suchte er sich des alten Rathes, welcher jeder seiner Maßregeln controllirte, zu entledigen. Durch die Drohung, ihn beim Ausschuß und bei den Zünften als deren Feinde anzuzeigen, schüchterte er ihn so ein, daß die Verzagteren entweder den Sitzungen ganz fern blieben oder zu allem ihre Zustimmung gaben. Bezüglich der Judenfrage trat bald eine Divergenz der Ansichten zwischen dem alten Rath und Weitz' Anhängern hervor. Während jener sich streng an Artikel 22 des Bürgervertrages halten und ohne des Kaisers Bewilligung keinen Schritt gegen die Juden unternehmen wollte, schlug Weitz die härtesten Maßregeln gegen sie vor. Tief verschuldet, wie er ihnen war, stand er vor dem drohenden Bankerotte. Nur ihre Vertreibung oder ihre gänzliche Einschüchterung konnte ihn retten. Kein Mittel war ihm daher zu schlecht, um von den Juden Geld zu erpressen. Einstweilen drang er allerdings mit seinen Absichten nicht durch. Als ein abermaliges kaiserliches Mandat') dem Rath einschärfte, „die Juden hiufüro fleißiger zu schützen", ließ derselbe am 23. März an allen Thoren ein Decret anschlagen, „Bürger wie Fremde und Handwerksgesellen vergriffen sich thätlich an den Juden wider deren Privilegien u. s. w. Da nun hieraus anderer Unrath und gefährliche Weiterung zu besorgen sei, so wolle er Jeden ernstlich ermahnt haben, dieselben sowohl in ihre Wohnungen, als auch in der Stadt bei Vermeidung ernster Strafe u. s. w. unbedrängt zu lassen" Ja, der Rath raffte sich sogar zu einer Maßnahme auf. Die kurz vorher ohne seine Erlaubniß von Sauer gedruckte, tendenziös entstellte Stättigkeit ließ er in allen Buchläden confisziren und in die Kanzlei bringen. Kaum war dies Fettmilch zu Ohren gekommen, als er sich mit einigen seiner Anhänger, — unter ihnen Kantor, Sauer, Bonn — nach dem Römer begab und vom Rathe Erklärungen über das Decret und die Confiskation verlangte. Er traf im Römer nur einige Rathsmitglieder an, darunter den Stellvertreter des älteren Bürgermeisters, Helfrich Faust. Fettmilch überschüttete ihn sofort mit einer Fülle von Vorwürfen 2). Man Diarium Zustorieum S. 129. 2) S.?om.I ^et. Nr. 14; Diarium kistorieum S. 120; Brgun. 1613 16.111. 2) Ueber den ganzen Verlauf der Unterredung s. in lom. I ^.et. ein notariell beglaubigtes, auf Pergament geschriebenes Document.

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