Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 2 · p. Seite 166

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 2
Article
Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
Date
1890-01-01
Page
Seite 166 (sequence 40)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
94% known words query
IRI
…/2259275-2259324-2259327-2264514--1565-2264601
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

166 Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612—1618. gegen die Fenster und verübte allerlei Unfug und Muthwilleu Mit banger Erwartung sahen die Juden der bald beginnenden Meßzeit entgegen, in der sie von den nach Frankfurt strömenden Fremden die ärgsten Mißhandlungen befürchteten. Die Hauptschuld an diesen Ausschreitungen maßen die Juden nicht mit Unrecht der willkürlichen Auslegung der Verpfändungsurkunde bei?) und richteten daher an den Rath die Bitte, deren wahren Sinn der Menge zu erläutern, damit sie nicht, durch Fettmilch irre geleitet, wähne, sie dürfte die Juden ganz nach Belieben beleidigen oder gar tödten^). Und damit auch der Ausschuß das Ungesetzmäßige seiner Forderung betreffs der Vertreibung der Juden einsähe, luden sie ihn ein, genaue Kenntniß von ihren Privilegien zu nehmen, die sie ihm abschriftlich zur Verfügung stellten. Als Antwort hierauf wandte sich dieser am 25. Februar an „den von Gott erleuchteten Vorstand des Rathes" in einer überaus schwulstig und pathetisch abgefaßten Eingabe, aus der wir unter anderem auch erfahren, daß die Juden versuchten, nicht allein die Christen zu ihren Sklaven und Leibeigenen zu machen, sondern sie sogar durch ihr ärgerliches Wesen, durch ihr Wandeln im Dunkeln um den höchsten Schatz, um ihrer Seelen Seligkeit heimtückischer Weise zu bringen^). Somit sei es die höchste Zeit, sie zu vertreiben. Die Juden suchten diesem Angriff damit zu begegnen, daß sie dem Rathe ihre sämmtlichen Privilegien in mehrfacher Abschrift übergaben mit der flehentlichen Bitte, sie in ihren Rechten zu schützen. So von beiden Seiten gedrängt, gerieth er in keine geringe Verlegenheit. Was seine Lage noch erschwerte, war die Zerrissenheit und Uneinigkeit, welche in seiner Mitte herrschte. Er bestand jetzt aus zwei vollständig heterogenen Elementen, aus den alten Dreiundzwanzigern und den neu hinzugetretenen Achtzehnern. Letztere, welche ihre Wahl der Bewegungspartei zu verdanken hatten und auch dieser mit wenigen Ausnahmen rückhaltslos anhingen, beobachteten mißtrauisch den alten Rath, in welchem sie nur Reaktionäre sahen. ') low. I ^et. Nr. 13. y Auch die Subdelegirten waren dieser Ansicht (s. Kais. Com. Bd. 45). i)?om. I ^et. 5; Brgun. 1613 19.1. 4) S. Brgun. 1613 25. II, Tom. I Act. Nr. 8. Der Geist, den diese Supplieatiou athmet, spiegelt sich ab in den Beiworten, mit denen sie den Namen „Juden" begleitet. In einem und demselben Athem nennt sie diese „schädliches Gift, um sich fressender Unrath, sehr schrecklich und erbärmliches Geschmeiß, Bastardkinder, Kinder des leiblichen SatanS, verfluchte Heiden, gottloses Gesindel" u. s. w.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.