Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 165 (sequence 39)
- Language
- German
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Kcacauer: Die Iu den Frankfurts im Fetrmilch'schen Ausstand 1612—1618. 165 kommene Handhabe gegen dieselben. Noch erwünschter war Fettmilch der Schluß der Urkunde: „Sollte der Fall eintreten, daß die Juden von Gottes wegen abgingen oder verderben oder erschlagen würden u. s. w. es wäre, wovon es wäre oder käme, so sollen wir oder unsere Nachkommen im Reich die Stadt Frankfurt deswegen nicht zur Verantwortung ziehen". Schien der Kaiser damit nicht Straflosigkeit für jede Gewaltthat ausgesprochen zu haben? Diese Documente las Fettmilch der urtheilslosen Menge vor und machte sie glauben, daß sie ganz nach ihrer Willkür mit den Juden verfahren dürfe'); wohlweislich ignorirte er die vielen Privilegien, welche seit Kaiser Sigismund zum Schutze derselben erlassen worden waren. Die Verpfändungsurkunde wurde nun auszugsweise in zahlreichen Abschriften unter der Bürgerschaft verbreitet und leidenschaftlich discutirt. Fettmilch und der Buchdrucker Sauer nebst anderen Judenfeinden konnten sich nicht das Vergnügen versagen, Samstag den 9. Januar in die Judengasse zu gehen und die Urkunde auf dem Platz vor den Synagoge den zum G«tesdienst versammelten Juden vorzulesen. Mithin, fügte er hinzu, seien sie nicht freie Leute, sondern Leibeigne der Bürger und hätten sich deren Geboten unbedingt zu fügen. Zugleich verbot er jetzt aus eigner Machtvollkommenheit, daß zwei Juden neben einander auf der Straße gehen dürften 2). Ebenso eigenmächtig verfuhr er wenige Wochen später. Im Namen des Ausschusses, aber ohne von ihm autorisirt zu sein, verlangte er, daß das abscheuliche Judengemälde, welches der Rath in einer Anwandlung von Schamgefühl, wie bereits erwähnt, hatte verdecken lassen, wiederum seiner Hülle entledigt würde. Der Rath gab, „um große Weitläufigkeiten und Nachrede zu verhüten" nach, und so bot das Gemälde wieder willkommenen Stoff zur Verhöhnung der Juden. Mißhandlungen einzelner derselben hatten schon früher hin und wider stattgefunden, aber jetzt klagten sie, daß sie, so oft sie sich in den Straßen der Stadt zeigten, vom Pöbel und besonders vom Handwerkergesinde „gehudelt, geschlagen, gestoßen und auf alle mögliche Weise beschimpft würden". Ja in ihrer eignen Gasse fühlten sie sich nicht mehr sicher; Sonntag den 14. März drang ein Haufe von Handwerkern in diese, warf mit Steinen Daß die Bürger in der That diese Folgerung zogen, zeigt die Beschwerdeschrift der Juden an den Rath vom 19.1. 1613; s. Low. I ^.etor. Nr. 5. 2) Diarium kistorieura I. e. Er selbst rühmte sich, zwei ungehorsame Juden mit 10 Gulden und mit „guten Stößen" gestraft zu haben (Diarium kistorieum 1. e).