Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 2 · p. Seite 164

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 2
Article
Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
Date
1890-01-01
Page
Seite 164 (sequence 38)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2259275-2259324-2259327-2264514--1563-2264599
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

164 Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Ausstand 1612 —1618. letztere es bald vorzogen, den Sitzungen fern zu bleiben. Die so zu Stande gekommenen Beschlüsse wurden dann als im Namen der gesammten Bürgerschaft gefaßt ausgegeben ^). Von vornherein nahm er gegen die Juden eine feindliche Stellung ein; daß seine Häupter diesen mit wenigen Ausnahmen tief verschuldet waren, mag wohl nicht ohne Einfluß darauf gewesen sein. Eine der ersten Handlungen des Ausschusses, beziehungsweise des oberen Tisches war es, Fettmilch zu seinem „Director" zu erwählen, doch sollte er ohne das Gutachten der Advocaten nichts unternehmen dürfen. Aus der gemeinsamen Casse, zu welcher die Niederländer eine bedeutende Summe beigesteuert hatten, erhielt er 7 Gulden wöchentlich; außerdem gaben ihm diese noch Geschenke aller Art und versprachen dauernd für ihn und die Seinigen sorgen zu wollen, falls er ihre Interessen vertreten würde. Somit ist jetzt Fettmilch das officielle Haupt der Bewegung; von Weitz, Brenner, Bernoulli geleitet, beherrscht er die Stadt. Jede Regierungshandlung contrellirte er; täglich erschien er im Römer. Absichtlich hatte er sich nicht, was ihm doch ein leichtes gewesen wäre, zum Rathsherrn wählen lassen. Er stützte sich, wie das in der Natur der Sache liegt, hauptsächlich auf die unteren Volksclassen; sein Einfluß auf sie dauerte aber nur so lange, als er ihren Wünschen und Leidenschaften entgegenkam. In ihrem Interesse lag durchaus eine Vertreibung der Juden. Man wäre dann mit einem Male unbequem mahnende Gläubiger losgeworden und bei einer etwaigen Plünderung der Gasse wieder in den Besitz der Pfänder gelangt. Mit größtem Eifer befaßte sich deshalb Fettmilch mit der noch offen gebliebenen Judenfrage. Im Ausschuß und in den Zunftstuben stachelte er die Gemüther von Neuem wider die Juden auf. Zunächst hoffte er, in der Stättigkeit oder in den Privilegien Bestimmungen zu finden, welche, geschickt interpretirt, seinen Plänen den Schein der Gesetzmäßigkeit verleihen könnten. Deshalb n'öthigte er den Rath, dem Ausschuß auch die Stättigkeit auszuliefern 2). Die Bestimmungen derselben, daß die Juden alle 3 Jahre um Verlängerung ihres Aufenthaltsrechtes beim Rathe einkommen mußten, sowie die schon angeführte Stelle der Verpfändungsurkunde, in welcher Karl IV. der Stadt das Recht einräumte, „die Juden zu genießen und zu brauchen, mit ihnen zu brechen und zu büßen nach ihrem Nutzen", boten ihm eine will- 1) Nicht mit Unrecht nennt daher die Anklageschrift den „fälschlich legitimirten Ausschuß die Grundsuppe alles erfolgten Unwesens". 2) viarimn kiLtorieuin S. 127.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.