Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 163 (sequence 37)
- Language
- German
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Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Ausstand 1612—1618. 163 Daß sie sich in einer Eingabe „als Bürger der Stadt und nicht als Untergebene derselben" unterzeichneten, wurde ihnen als „Insolenz" ausgelegt '). Auch der andere Wunsch der Reformirten, die Vertreibung der Juden, ihrer gefährlichsten Concurrenten, war nicht in Erfüllung gegangen, trotzdem sie dafür die Errichtung von öffentlichen Leihhausern auf eigene Kosten versprochen hatten. So in allen Hoffnungen getäuscht, förderten sie eifrigst die Pläne einer kleinen Anzahl von Männern, denen mit einem friedlichen Ausgleich des Zwistes gar nicht gedient war, die ihre ehrgeizigen und selbstsüchtigen Ziele nur dann erreichen konnten, wenn die Zwietracht von Neuem entbrannte und im Verlauf der Unruhen zu einer vollständigen Umgestaltung der Verfassung führte. Dieser Partei konnte nichts willkommener sein, als daß der Bürgervertrag viele strittige Fragen noch unentschieden gelassen hatte; an diesen mußte sich der Streit von Neuem entzünden. Die Hervorragendsten unter den Unzufriedenen waren theils Advocaten, so Nicolaus Weitz, Sebastian Brenner, Palthenius, Christels Keller, Hesseler, Eitel Fettmilch, theils gehörten sie, wie Bincenz Fettmilch, Sauer, Kantor, Hildebrand, Schopp, Gerngroß, anderen Ständen an. Für einen Theil von ihnen war der Aufstand eine höchst einträgliche Sache, da sie vom Ausschuß eine hohe Besoldung für ihre agitatorische Thätigkeit bezogen, die natürlich bei wiederhergestelltem Frieden wegfallen mußte. Dem Bürgervertrag zum Trotz, der alle politischen Versammlungen untersagt hatte, kam eine Anzahl der eben Erwähnten bereits am 19. Januar 1613 in dem Hause der „alten Rechenschreiberei" ^) zusammen und wählte, ohne die Bürgerschaft zuvor befragt zu haben oder von ihr dazu autorisirt zu sein, einen neuen Ausschuß „zur Exemtion und Vollstreckung der im Abschied noch unerledigten Punkte". Auch einige Niederländer, wie Bernoulli, Jakob u. s. w. nahm man darin aus. Vollständig beherrscht wurde der Ausschuß ^) vom „oberen Tisch", an welchem die Leiter der Bewegung saßen. Diese terrorisirten die Versammlung und ließen die gemäßigteren Elemente nicht zu Worte kommen, so daß t) In der That befand sich auch unter den 18 neuen Rathsherrn kein einziger Resormirter, und nur höchst widerstrebend ließ man einige derselben zur Neunercommission zu. -) S. Kais. Com. Bd. 45, 54 und 74. 3) Er hielt seine Sitzungen in dem noch heute bestehenden Hause „Zur Schmiedstube" ab.