Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 162 (sequence 36)
- Language
- German
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162 Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612—1618. zur definitiven Entscheidung des Kaisers nur das Kaufmanns - Interesse, also 8 o/t), genommen werden. Der so unbestimmt gelassene erste Theil des Artikels 22 hielt die Juden begreiflicherweise in nicht geringer Aufregung. Um so willkommener kam ihnen jetzt der Befehl des Kaisers an den Rath, „die Judenschaft in ersprießlicher guter Acht zu haben und daran zu sein, daß sie vermöge der Stadtordnung zu schleuniger Bezahlung ihrer ausständigen Schulden an Capital und Zinsen wirklich verholfen würde" Schließlich hoffte sie auch, daß der Börgervertrag, in dem ja den Zünften der größere Theil der Forderungen bewilligt worden war, die aufgeregten Gemüther wieder beschwichtigen, und daß mit der wiederkehrenden Ruhe auch die judenfeindlichen Stimmen zum Schweigen kommen würden. Aber ihre Hoffnung zeigte sich als trügerisch; die Ruhe wollte nicht in das zerrüttete Gemeinwesen zurückkehren. Einmal war das Mißtrauen gegen das alte Regiment ein zu tief eingewurzeltes; man befürchtete von ihm, trotzdem es die neue Verfassung beschworen hatte, reactionäre Gelüste. Sodann stand der ganze katholische Theil der Bevölkerung dem Bürgervertrag feindlich gegenüber. Die Beschwerden und Wünsche, welche sie und die Geistlichkeit über die Verkümmerung ihrer religiösen und politischen Rechte vorgebracht hatten 2), waren einfach ignorirt worden, wie sehr sich auch der Erzbischof von Mainz für sie bemüht hatte ^). Noch viel erbitterter aber waren über die neue Verfassung die Reformirten beider Nationen (der deutschen und der niederländischen^). Sie sahen sich um alle Früchte ihrer Bemühungen gebracht. Mit vollen Segeln waren sie in die Wogen der Bewegung gesteuert. Wie oft hatten sie nicht in den Versammlungen erklärt, sie wären auch Bürger und wollten der Bürgerschaft im Kampfe um ihr Recht beistehen. Beim Beginn der Bewegung hatten sie dem Ausschuß 7000 Gulden zur Führung seiner Sache angeboten und dabei noch erklärt „wenn die Bürgerschaft zu viel gethan hätte, die Strafe für sie gern zu erlegen". Ihre wiederholten Petitionen um Gewährung des freien Religionsexercitiums stießen auf den hartnäckigsten Widerstand, besonders des Landgrafen Ludwig. y Brgm. 1612, 31. XII und I H.et. Nr. 3. 2) Kais. Com. Band 5. 2) Als er auch Katholiken unter die neu zu wählenden 18 Rathsherren aufgenommen wissen wollte, erklärte man, „ehe ein Katholik in den Rath zugelassen werde, müßte erst alles drunter und drüber gehen". (Krieg?, 1. e. S. 293.) 4) Als ihre Häupter treten hervor Mahieu, Bernoulli, Roß, Neuville, Bonn, Roland n. s. w. Ueber sie handelt der ganze 65. Band der Kais. Commissionsacteu. ebenso Band 27, 29 nnd 33'/?.