Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 2 · p. Seite 160

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 2
Article
Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
Date
1890-01-01
Page
Seite 160 (sequence 34)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
95% known words query
IRI
…/2259275-2259324-2259327-2264514--1559-2264595
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

160 Kracauer: DLe Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Ausstand 1612—1618. muß man ein „non liyuet" bekennen; manchmal aber findet sich sogar, daß der Versuch, den anderen zu übervortheilen, nicht vom jüdischen Gläubiger, sondern vom christlichen Schuldner ausgeht. Als Beweismaterial bringen die Juden die richterlichen Entscheidungen, sowie die von den 'öffentlichen Notaren aufgesetzten und bei ihnen deponirten Dokumente herbei. Schließlich vertheidigen sie sich auch gegen Anklagen anderer Natur. Sie hätten allerdings dem Kaiser früher als die Stadt ihr Geschenk überreicht, aber nur aus dem Grunde hätten sie so zeitig eine Audienz nachgesucht, weil sie hörten, er sei späterhin zu sehr beschäftigt. Ihr Gesuch bezüglich der Entfernung des Gemäldes auf der Main brücke könne man ihnen auch nicht verargen; hätten sie doch befürchten müssen, daß die von auswärts zum Wahltage zusammenströmenden Fremden, durch dasselbe aufgestachelt, sich Ausschreitungen gegen sie erlauben würden. Ebenso nichtig sei der Vorwurf, daß sie mit Verachtung der städtischen Obrigkeit sich eigene Gerichtsbarkeit gegen die ihrigen anmaßten. Diese stände ihnen nach den Bestimmungen der Jahre 1560 und 1588, sowie nach der Stättigkeit in gewissen Fällen zu. Die Errichtung von eignen Gerichtshöfen aber sei von ihnen selbst Rudolf II. angezeigt und von diesem zugelassen worden ^). Diese beiden Verteidigungsschriften berichtigen sehr wesentlich das Bild, welches uns der Ausschuß von den Juden Frankfurts entworfen hat. Seine Tage waren übrigens gezählt. Die Zünfte warfen ihm vor 2), „er verrichte seine Sachen der Gebühr nicht, es werde auch alles wegen unntttzens Umlaufens, Fressens und Saufens je länger, je gefährlicher". So traten einige hundert Bürger auf der Zunftstube der Bender zusammen, setzten den seitherigen Ausschuß ab und wählten einen neuen. Ersteren schüchterten sie durch Drohungen derart ein, daß er den Rath um Schutz gegen den aufgeregten Pöbel bat. Schon den folgenden Tag (den 26. November) trat der neue Ausschuß sein Amt an. Sowohl die Subdelegirten als auch die Commissarien, welche 4 Tage später in Frankfurt eintrafen 2), erkannten ihn als Vertreter der Bürgerschaft an und traten mit ihm vom zweiten December ab in Berathungen. ') Enthalten in l'oin III ^ktor. Nr. 5: Der Juden Gegenbericht oder Verantwortung aus die von den Zünften .... übergebenen Beschwernissen (153 Folioseiten stark). S. a. den Anhang Nr. I. 2) viar. S. 110. 2) Sie stiegen im Deutschen Hause ab und blieben ungefähr 5 Wochen in der Stadt.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.