Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 2 · p. Seite 156

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 2
Article
Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
Date
1890-01-01
Page
Seite 156 (sequence 30)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
92% known words query
IRI
…/2259275-2259324-2259327-2264514--1555-2264591
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

156 Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Ausstand 1612—1618. übermüthiger mache. Bereits habe einmal ein Jude (Artikel 201) alle Christen Schelme genannt, bei der Krönung seien die Juden mit ihrem Geschenk beim Kaiser dem Rath um einen Tag vorgelaufen; Nathan „zur Ampel" nebst Weib und Kindern habe sogar den Kaiser an der Tafel speisen sehen wollen? Die Artikel schließen mit der Bitte, die Subdelegirten möchten die Zunftmeister und die Zehner der Juden zu sich bescheiden, in ihrer Gegenwart die Obligationen prüfen und alsdann das Ungeziefer und Juden, geschmeiß aus der Stadt gänzlich aussaubern. Am 11. November gelangten diese Beschwerdeschriften im Rath zur Verlesung und wurden noch am selben Tage den Subdelegirten zugestellt'). Diese übergaben sie den Baumeistern Mosche „zum Korb" und Aaron „zum fröhlichen Mann" mit der Weisung, sie baldigst zu beantworten. Beide erklärten hierauf, „ihre Verantwortung also zu thun, daß die Commissarien ein Genüge haben sollten" In der That reichten sie bald zwei Erwiderungsschriften ein. Der Ton derselben unterscheidet sich sehr vorteilhaft von dem der Gegenpartei. Die Sprache ist leidenschaftslos und sachlich gehalten, zieht den Gegner nicht in den Schmutz; es macht den Eindruck, als ob die Angegriffenen im Vertrauen auf die Gerechtigkeit ihrer Sache diese Art der Kampfesführung verschmähten. Die erste Gegenschrift 2) beschäftigt sich mit den im Allgemeinen gegen die Judenschaft erhobenen Beschwerden. Sie untersucht zunächst die staatsrechtliche Stellung der Juden. Frankfurter Streitfrage sei: 1) sind dieselben von Karl IV. eum absoluta, äowiuiea xotestate, oder nur euin trauslata omni moäo eommoältate Lruetuum et reäituum et servitiorura pereipieuäoi'uui verpfändet worden? 2) An wen sind sie damals verpfändet worden? An den Rath als rechtmäßige Obrigkeit der Stadt? Oder nur an die Bürger mit Ausschluß des Rathes? Zur Entscheidung dieser Fragen verweist die Schrift auf den Wortlaut der Verpfändungsurkunde. Aus ihm ergebe sich klar, daß Karl IV. zwar die Judenschaft hiesiger Stadt und deren Administration cedirt, also nicht der Bürgerschaft allein — sich aber daneben den Schutz und Schirm der Judenschaft, sowie aller ihrer Privilegien ausdrücklich reservirt habe, wie ') S. Brgm. 11. XI. 2) Kais. Com. III 16/26. XI. 1612. 2) Sie zählt 82 Folioseiten und führt den Titel: Der gemeinen Jndenschafst übergeben? Defenfionsschrist und Gegenbericht contra die alhiesigen Bürger (l'om. III ^etor.).

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.