Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 154 (sequence 28)
- Language
- German
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154 Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612—1618. Christen Kinder, darnach binden, ängsten, Plagen, zerPfriemen und stechen sie dieselben, sie fassen und heben das Blut auf, damit sie ihren wucherischen Hunger und Durst ersättigen". Der Talmud und die Rabbinen lehrten ja, daß Christenmord keine Sünde sei, deshalb hätten sie mehr als einmal die Wasser und die Brunnen vergiftet und dadurch die Pest in Europa verbreitet. Aus allen diesen Gründen bittet der Verfasser der Schrift die Commissarien, das Beispiel anderer gottesfürchtiger Regierungen zu beherzigen und die Juden ohne Ausnahme aus der Stadt und ihrem Gebiete für immer auszuweisen. Denn nur aus Mitleid und in der Hoffnung, daß sie sich zum christlichen Glauben führen lassen würden, habe man ihnen Woh^ nung und Herberge in Deutschland eingeräumt, diese Hoffnung habe sich aber nicht erfüllt, im Gegentheil, ihre Bosheit habe nur mehr zugenommen. Vor ihrer Vertreibung aber sollten ihre auf unrechte Weise erworbenen Güter für den städtischen Fiscus eingezogen, sowie die durch falsche Praktiken aufgesetzten Schuldsummen von der eigentlichen Schuld abgezogen werden. Bei dieser „etwas weitläufigen" Schrift ließ es der Ausschuß nicht bewenden; er mochte fühlen, daß die gegen die Juden als Gesammtheit erhobenen Beschuldigungen zu allgemein gehalten waren, um die gewünschte Wirkung zu erzielen. Daher forderte er, um möglichst viel einzelne Tatsachen wider sie vorbringen zu können, alle diejenigen, welche von ihnen irgendwie beeinträchtigt worden wären, auf, ihre Klagen bei ihm vorzubringen. Natürlich machten davon die Gegner und Schuldner der Juden den ausgiebigsten Gebrauch. Der Ausschuß faßte die bei ihm eingelaufenen Beschwerden in 361 „Artikeln" zusammen und übergab sie dem Rath. Prüfen wir den Inhalt dieser 94 Folioseiten starken Schrift etwas genauer, da er, so zu sagen, das Sündenregister der Frankfurter Juden enthält. Die Artikel sind so redigirt, daß zuerst Anklagen im allgemeinen erhoben und dann durch einzelne Beispiele erhärtet werden^). Da ist es nun charakteristisch, daß uns wieder als erster Klagepunkt die Concurrenz der Juden mit den christlichen Handwerkern und Krämern begegnet. „Die Juden treiben allerlei Kaufmannschaft wider Recht und Gewohnheit, und obgleich sie in keiner Zunft sind und sich also dero den Zünftigen zustehenden Gewerben, Handlung und Commerzien nicht gei) Enthalten sind sie in lom. III, H.etor. unter: Arauarmna. gemeiner sunKt vnc! durgersekaM contra äie gemeine MäensekaM.