Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 153 (sequence 27)
- Language
- German
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Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'scheu Aufstand Z612 -1618. 153 Der Verfasser befürwortet, außerdem noch ihre Bücher zu verbrennen, die Synagogen zu schließen u. s. w. Am ausführlichsten befaßt sich die Schrift mit dem unredlichen und unreellen Gebahren der Juden im Geschäftsleben und mit ihrem Wucher. Täglich verstießen sie gegen das in allen Reichstagsabschieden und Polizeiverordnunzen von 1530—1577 erlassene Gebot, bei Darlehen nicht mehr als 5"/y zu nehmen. Wenn ihnen auch bisweilen einzelne Herrscher einen höheren Zinsfuß gestattet hätten, so seien doch darunter nur 5^—6/2^0 zu verstehen; so aber nähmen sie das Doppelte, ja sogar das Drei- bis Vierfache. Und diesen übermäßigen Wucher habe stets der Rath gehegt und gepflegt, anstatt sich das Verfahren des Kaisers Wenzel zum Vorbild zu nehmen, welcher 1393. um die Juden für den Wucher zu züchtigen, ihre Schuldner aller Verpflichtungen gegen sie ledig erklärte'). Ebenso verdammenswerth ist nach der Ansicht des Verfassers das Verhalten der Juden gegen die Obrigkeit. Fortwährend verachteten und verspotteten sie diese, und gar gegen das geliebte deutsche Vaterland schmiedeten sie gefährliche Anschläge und Praktiken. Unzahlige Beispiele seien dafür vorhanden, daß sie Kundschafter und Landesverräther wären und im geheimen Bunde mit den Türken ständen. So habe der Jude Johann Pfefferkorn selbst bekannt, daß er und seine Genossen den hochlöblichen Stamm der Kurfürsten zu Brandenburg mit Gift auszutilgen beabsichtigt hätten 2). Für die Unbotmäßigkeit der Juden aber weiß die Schrift einen Beleg aus der jüngsten Geschichte der Stadt anzuführen. Obwohl sie ohne Wissen der Obrigkeit keine Zusammenkünfte abhalten und keine Satzungen aufrichten dürften, so hätten sie doch in der Herbstmesse 1603 eine Versammlung berufen, ein neues Judenrecht publicirt, eigne Gerichtsstuben in Frankfurt, Worms, Friedberg, Fulda und Ginsburg errichtet, besondere Steuern festgesetzt und sich die Jurisdiction in Kriminal- und Civilfällen angemaßt 2). Natürlich tischt der Verfasser zum Schlüsse auch die uralte Beschuldigung wieder auf, daß die Juden christliche Kinder stehlen, um sie für ihre religiösen Zwecke abzuschlachten. „Erst kaufen oder stehlen sie der ') S. darüber Stobbe: Gesch. der Juden im Mittelalter S. 136 und Bücher: Die Bevölkerung Frankfurts S. 574 ff. 2) Damit ist nicht der bekannte Joh. Pfefferkorn gemeint, der den Kampf gegen den Talmud inaugurirt hatte, sondern der zu Halle 1515 Hingerichtete Jude gleichen Namens (s. über ihn Schudt I, 355 und Geiger, Reuchlin, S. 374). 3) Ueber diese Versammlung s. Horovitz, Franks. Rabb. Bd. I, S. 36 ff.