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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 2 · p. Seite 152

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 2
Article
Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
Date
1890-01-01
Page
Seite 152 (sequence 26)
Language
German
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152 Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612—1618. der Jahre 1349 und 1372. Vor dieser Zeit, bemerkt der Verfasser, waren die Juden allerdings alleiniges Eigenthum des Kaisers und dessen Leibeigne (servi üsel), in diesen Jahren aber verpfändete sie Karl IV. der Stadt, also nicht dem Rath ausschließlich, mit allen Nutzen, Gefällen und Diensten: mithin seien jetzt die Juden und ihre Nachkommen leibeigne Knechte der Bürgerschaft. Um so trauriger und beschimpfender sei es, „daß sie die bedürftigen Christen zu ihren gottlosen Diensten mit Einheitzen, Licht- und Ampelanzünden, Melken der Kühe und dergleichen theils unflätigen, theils ungebührlichen Diensten und Verrichtungen ziehen und führen". Länger verweilt der Verfasser bei der Stelle der Verpfändungsurkunde: „wenn die Juden verstürben, umkämen, oder sonsten weggeräumt würden, so sollte es den Bürgern freistehen, andere Juden an deren Statt gegen Zins aufzunehmen--, wegen des Untergangs und Abgangs derselben brauchten sie Niemandem Rede und Antwort zu stehen". Er folgert hieraus die Berechtigung für die Bürger, die Juden jederzeit vertreiben zu dürfen, wie dies auch frühere Kaiser, so Wenzel und Maximilian, ausdrücklich anerkannt hätten. Aber die Stadt wolle überhaupt nichts mehr von ihren Rechten über die Juden wissen; sie trete sie lieber unter Verzichtleistung auf deu Pfandschilling wieder dem Kaiser ab, als daß sie noch länger die schwere Judenlast tragen wolle; denn die einst ertheilte Erlaubniß, Juden zu ihrem Nutzen zu halten, habe sich im Lauf der Zeit als schwere Schädigung der Bürger erwiesen. Bemerkenswert!) sind auch die vorgebrachten Ansichten über die Abstammung und Religion der deutschen Juden. Diese wären gar nicht die Nachkommen der alten zwölf Stämme; den Namen Juden führten sie als geborene lalsaril mit Unrecht; auch hielten sie nicht Gottes Wort, sondern den sabulistischen Talmud für ihr höchstes Gut. Dabei verkehrten sie das alte und verwürfen das ganze heilige neue Testament, indem sie behaupteten, Christus und die Apostel wären nicht so klug gewesen. Täglich bäten sie, daß Gott die christliche Kirche zerstöre u. s. w. Alles dieses berücksichtigend hätten frühere Kaiser sie als „abergläubische, zauberische Gaukler und Verführer aus dem Lande verjagt, und die Rechtsgelehrten hätten das Judenthum an und für sich ein hochstrafbares Laster und äslietum genannt, die Concilien sogar die Christen gewarnt, Gemeinschaft mit den Juden zu halten, Arzeneien von ihnen zu nehmen, vielmehr empfohlen, sie zu verjagen, ihre Kinder an sich zu nehmen und sie Klöstern oder frommen Christen zur Erziehung zu übergeben".

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