Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 149 (sequence 23)
- Language
- German
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Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612—1618. 149 Die Bürger erkannten, daß das ungnädige Schreiben des Kaisers wesentlich durch die Berichte des Rathes und seiner Abgesandten am kaiserlichen Hof veranlaßt worden war. Um deren Einfluß entgegenzuarbeiten, schickten sie ebenfalls Gesandte nach Wien, welche dem Herrscher eine sehr umfangreiche Verteidigungsschrift überreichen sollten. Sie beschuldigten darin den Rath der Doppelzüngigkeit; jetzt weigere er sich, ohne Mathias Erlaubniß gegen die Juden einzuschreiten, vor vier Jahren aber habe er Rudolf II. das Recht bestritten, sich in die Angelegenheiten der Frankfurter Juden einzumischen, da letztere nur dem Rathe, nicht aber dem Kaiser unterworfen wären. Die bürgerlichen Abgesandten richteten in Wien nichts gegen die Juden aus und kehrten nach einem mehrwöchentlichen Aufenthalte am 30. August nach Frankfurt zurück. Sie waren auf die kaiserliche Commission verwiesen worden, bis zu deren Eintreffen die Bürgerschaft den Frieden zwischen Christen und Juden nicht stören solle. Ein wenige Tage später eintreffendes Schreiben des Kaisers befahl dem Rath ausdrücklich, die Juden vor jeder Beleidigung zu schützen '). Wie sollte er aber diesem Befehle nachkommen? Sein Ansehen bei der Menge schwand ja von Tag zu Tag; außerdem fürchtete er seine Mißliebigkeit nur noch zu vermehren, denn die Zünfte ließen nicht ab, die Entfernung der Juden zu fordern. Auch die Reichsstädte Worms, Speyer, Straßburg, Nürnberg und Ulm, welche bei einem weiteren Umsichgreifen des Aufstandes und der dadurch bewirkten Einmischung fremder Mächte für Frankfurt das Schicksal Donauwörths besorgten und daher durch Abgesandte den Streit zwischen Bürgerschaft und Rath zu schlichten suchten, schloffen sich dieser Forderung an. „Nur warnten sie vor übereilten Beschlüssen. Haben die Juden besondere Privilegien und Schntzbriefe", bemerkte Nürnberg, „so kann das Werk nicht so eilig und fürderlich geschehen, zumal da gewiß viele außerhalb Frankfurts Wohnende mit ihnen zu handeln und ihr Geld bei ihnen stecken haben. Ohne des Kaisers Einwilligung läßt sich platterdings nichts machen". Auch die Ulmer stimmten dem bei; sie schlugen übrigens als einfachstes Mittel, sich der Juden zu entledigen, vor, sie bezüglich der Schuldverschreibungen und auch sonst derart zu behandeln, daß sie froh sein würden, die Stadt verlassen zu dürfen^). die Niederländischen Bürger — diese waren fast sämmtlich Reformirte — an sich geha'nkt haben, sollen damit umgehen, Stadt und Rath zu persuadiren, sich der Union anzuschließen (1. e. 8. VII. und 25. XI.). ') lornus I ^etoi'um die Juden betreffend Nr. 1. S. hierüber Braun. IV im Schreiben vom 9. IX.; III im Schreiben vom