Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 147 (sequence 21)
- Language
- German
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Kraeauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612-1618. j 47 aus den Händen glitten. Von jetzt ab gehörte es fast znr ständigen Tagesordnung, daß die Menge, so oft sie eine Forderung erhob, sich tumultuarisch vor dem Römer zusammenrottete und drohte, „wo man ihr nicht zu willen sei, werde es nicht gut werden". Den noch unentschlossenen Theil der Bürgerschaft, besonders die Gesellschaften, suchte der Ausschuß mit sich fortzureißen. Er verlangte von ihnen eine bestimmte Erklärung, ob sie es mit dem Rath oder den Bürgern halten wollten; im erfteren Falle würden sie bald sehen, welche Folgen daraus für sie entstehen würden ^). Und wenn der Rath in einem Schreiben an Mathias bitter bemerkt: „Man hat uns das Schwert aus der Hand geschlagen, stößt starke Drohungen gegen uns aus" -) u. s. w., so entsprechen seine Klagen durchaus den Thatsachen. Es kam bald soweit, daß die Bürger eigenmächtig die Wälle besetzten, in Patrouillen nachts die Stadt durchzogen, die Gassen mit Ketten absperrten, als ob unmittelbar vor den Thoren der Feind stände oder als ob man einen Ueberfall von Seiten des Rathes, der die Söldner noch nicht entlassen hatte, befürchtete. Im Gefühl seiner Ohnmacht griff dieser zu einem Mittel, von dem er sich viel versprach, das aber schließlich gegen ihn ausschlug. Am 7. Juli erklärte er dem Ausschuß, das Regiment niederlegen zu wollen, da die Bürgerschaft schon fast alle Rechte an sich gerissen habe, und verließ darauf In eorxore den Sitzungssaal. In der jetzt einbrechenden Verwirrung warf sich Fettmilch zum Wortführer der ganz bestürzten Menge auf. Er veranlaßte den Rath, wiederum den Saal zu betreten und bestimmte ihn unter Hinweis auf die sicher ausbrechende Anarchie, wieder seine Thätigkeit aufzunehmen. Von jetzt ab wird Fettmilchs Name, dem wir schon von Anfang an in den Unterschriften sämmtlicher Supplicationen begegnen, immer häufiger genannt; der Ausschuß ernennt ihn zu seinem „Director" und Sprecher und bald gewinnt Fettmilch in demselben entscheidenden Einfluß. Alle diese Vorgänge in der Stadt — zum Verständniß des folgenden haben wir sie ausführlicher schildern müssen — hatte der Rath dem Reichsoberhaupt berichtet und um seine Intervention nachgesucht Dazu war Mathias bereit. Am 20. Juli erschien ein kaiserlicher Herold im Römer und ließ daselbst und in Sachsenhausen ein Rescript anschlagen, welches den Zünften den thätlichen und unverantwortlichen Frevel gegen die Obrigkeit verwies, bei hoher Strafe das Waffenführen und das Zusammenrotten untersagte, besonders aber einschärfte, sich der Drohungen gegen alle Bewohner der Stadt — also auch gegen die Juden — zu enthalten.!) Kaiserliche Commissionsacten I. vom 8.VI5. 1612. 2) Datirt vom 5. VII, Brgun. I, 18.