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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 2 · p. Seite 146

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 2
Article
Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
Date
1890-01-01
Page
Seite 146 (sequence 20)
Language
German
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146 Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612—1618. Haltung des Ausschusses eingeschüchtert, hatte er auf einmal das Gefühl der Selbstherrlichkeit, welches ihn bis dahin so stark beseelte, verloren. Nur unsicher, bald trotzig, bald zaghaft trat er ihm entgegen und verrieth dadurch am deutlichsten seine eigene Schwäche. Durch Concessionen hoffte er der Bewegung die Spitze abzubrechen. Aber da er einerseits die Forderungen der Menge nur theilweise erfüllte, andrerseits auch das, was er gewährte, nicht aus vollem Herzen und rückhaltlos gab, so steigerte er nur die Erbitterung und führte der Flamme des Aufruhrs neue Nahrung zu. Diese schwache und unkluge Politik, welche schließlich die Katastrophe herbeiführen mußte, befolgte der Rath während des ganzen Verlaufes des Aufstandes und auch bei der Behandlung der Judenfrage, welche uns hier ausschließlich beschäftigen soll. Der langen Verhandlungen mit dem Rathe überdrüssig, drangen die Bürger am 3. Juli in den Römer und forderten stürmisch die Herausgabe der Privilegien; diese, meinten sie, würden auch über die Frage Klarheit verschaffen, unter welchen Bedingungen die Juden zu dulden seien'). So in die Enge getrieben, erklärte sich der Rath am nächsten Morgen bereit, zwei oder drei Deputirten des Ausschusses die Privilegien einzuhändigen, damit sie sie kopiren könnten; nur sollten sie sich eidlich verpflichten, nichts davon zum Nachtheil des Rathes oder der Bürgerschaft zu veröffentlichen. Auch wollte er die Rechneikasse anweisen, den Bürgern Geld zu leihen, aber in ihrem eigenen Interesse nur auf solche Pfänder, die eventuell leicht verkauft werden könnten. Das Schicksal der Juden stellte er ganz in das Belieben des Kaisers; an ihn solle sich der Ausschuß wenden; was jener beschließe, werde dem Rath auch genehm sein. Er machte aber auf die Folgen aufmerksam, welche eine Vertreibung der Juden unausbleiblich nach sich ziehen werde. Die Bürger würden bei Geldverlegenheiten auswärtige Juden wie die von Friedberg, Hanau, Heddernheim u. s. w. um Darlehen angehen; bei eintretender Zahlungsunfähigkeit käme den Schuldnern nicht die Wohlthat des heimischen Gesetzes zu statten, vielmehr würde ihr Vermögen nach auswärtigem Gesetze mit Beschlag belegt werden und dann würden sie Mühe haben, sich der Prozesse mit fremden Juden zu entledigen. Mit diesem Bescheide wollte sich der Ausschuß zufrieden geben; aber jetzt zeigte es sich, daß er nicht mehr Herr der Bewegung war, daß die Menge ihn nur dann zu unterstützen entschlossen war, wenn er sich zum Werkzeug ihrer Wünsche hergab. In dem Entgegenkommen des Rathes sah sie nur ein Symptom dafür, daß ihm die Zügel des Regiments bereits l) Brgm. Juli 2 und 3; Brgun. I, 10, 11,13; Diarium ki8torienm S. 20—26y Diarium uistorieum S. 27—28.

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