Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 2 · p. Seite 145

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 2
Article
Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
Date
1890-01-01
Page
Seite 145 (sequence 19)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2259275-2259324-2259327-2264514--1544-2264580
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612—1618. 145 Diese Schrift stellte der Kaiserliche Kanzler Pucher, welchen Mathias nach seiner Abreise interimistisch mit der Schlichtung des Zwistes beauftragt hatte, — wohl sehr gegen den Willen des Rathes — den Zünften mit dem Bemerken zu, sich gegen die Obrigkeit alles gebührenden Gehorsams zu befleißigen und die Kaiserliche Majestät nicht unnöthiger Weise zu behelligen Seine Mahnung hatte nur vorübergehenden Erfolg; der ganze Ton und Inhalt des Gegenberichtes war für die Bürger zu verletzend, die darin aufgestellten Behauptungen wurden als unbegründet angesehen und man las nur die Absicht heraus, die Bürgerschaft beim Kaiser zu verdächtigen. So wuchs immer mehr die Mißstimmung gegen den Rath; schon rotteten sich die Bürger vor dem Römer zusammen und stießen Drohungen aus, doch noch behielten die besonneneren Elemente die Oberhand; sie setzten die Wahl eines Ausschusses durch, der, aus der Mitte der Zünftigen und Unzünftigen gewählt und mit unbedingter Vollmacht ausgestattet, die Forderungen der Bürger innerhalb der Bahnen der Gesetzmäßigkeit vertreten sollte. Der Ausschuß zählte anfangs 130 Mitglieder, darunter auch verschiedene Reformirte niederländischer Herkunft, welche, vom Rath in starrer Unduldsamkeit von allen städtischen Ehrenämtern ausgeschlossen und auch in religiöser Hinsicht eingeengt 2), nur von dessen Demüthigung oder Sturze eine Besserung ihrer politischen und religiösen Lage erwarten durften^). Der Rath mußte sich klar werden, wie er der nunmehr wohlorganisirten Bewegung Herr werden sollte. Zwei Wege standen ihm offen. Er konnte die sofortige Auflösung des Ausschusses, der ohne sein Wissen und Wollen zu Stande gekommen war, verlangen und seine Forderung mit Waffengewalt erzwingen — noch standen ihm ja die vierhundert für die Wahlzeit geworbenen Söldner zur Verfügung —, oder er konnte die Bahn der Versöhnung betreten, sich in ein gutes Einvernehmen mit dem Ausschuß setzen und dessen Wünsche, soweit sie berechtigt waren, erfüllen. Aber dem Rathe fehlte zum einen wie zum anderen MuLh und Entschlossenheit. Er schlug einen Mittelweg ein und that damit, wie die Geschichte aller Revolutionen beweist, das Verkehrteste. Durch die entschiedene t) 1. e. S. 20. Erst am 18. Juni 1612 hatte der Rat ihr Gesuch um Abhaltung eines öffentlichen Gottesdienstes abschlägig beschieden (Brgm.). 3) viai'Inni nistorieum S. 31/32. Die Mctzgerzunst war am stärksten vertreten, mit 8 nämlich, nach ihnen die Fettkrämer mit 6 (unter ihnen Vinceuz Fettmilch), die Sachsenhäuser ebenfalls mit 6, die Schneider mit 4 (darunter Konrad Schopp und Hermann Geiß), die Buchbinder mit 4 Mitgliedern (darunter Joh. Sauer) u. s. w. 10

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.