Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 143 (sequence 17)
- Language
- German
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Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612—1618. 143 wand, sie einstweilen hinzuhalten, um schließlich nach Verlauf der Krönung ihr Gesuch abzuschlagen. Daher wandten sie sich in fast gleichlautenden Eingaben unmittelbar an den Kaiser ^) und die Kurfürsten 2), um durch ihren Einfluß den Rath für ihre Wünsche gefügiger zu machen, gaben ihrem Mißtrauen gegen den guten Willen des Rathes Ausdruck und baten um Gottes und der Gerechtigkeit willen, sich ihrer anzunehmen und die Edirung der unstreitig für sie wichtigen Privilegien zu veranlassen; außerdem kamen sie aus die Erledigung der uns bereits bekannten Forderungen bezüglich der Juden und des Kornmarktes zurück. Mathias gab auf die Bittschrift, welche ihm beim Verlassen der Kirche Fettmilch und ein Schneider überreichten, keine Antwort; dagegen ermahnte der Erzbischof von Mainz im Namen der anderen Kurfürsten die Bürgerschaft zur Geduld; der Rath sei durch die Wahl und Krönungsgeschäste zu sehr in Anspruch genommen, als daß er sich jetzt eingehend mit ihren Forderungen beschäftigen könne; nach Ablauf der Festlichkeiten würde er ihr sicher, wie er verheißen habe, gebührendes Gehör geben ^). Doch die Bürger waren von dieser Zuversicht weit entfernt. Von dem Wunsche getrieben, den Kaiser noch vor seiner Abreise zu einer für sie günstigen Willensäußerung zu veranlassen, wiederholten sie am 21. Juni, dem Tage, an welchem sie die Huldigung geleistet hatten, noch eindringlicher die Bitte, ihnen, bevor er die Stadt verließe, zu ihrem Rechte zu verhelfen. Der bei weitem größere Theil der Bittschrift wendet sich gegen die Juden. Es heißt darin: .... „Cur Majestät möge wöhl erwägen, was für stattlicher Unterhalt und Proviant auf so viel tausend müssige Seelen gehe, denn da sie nicht von Wind leben können, wo nehmen sie dann anders ihren Unterhalt her, als aus unserem Schweiß und Blut, daher werden sie unsere Kostgänger; sie sind unsere Saugegel, die nicht nachlassen, bis auch das Mark aus unserem Gebein verzehrt und wir zum Bettelstab fertig sind". Der Rath behaupte zwar, er habe den bedrängten Bürgern Geld zu 5"/y angeboten, davon wisse aber Niemand in der Stadt etwas; warum habe er dieses der Bürgerschaft so willkommene Anerbieten nicht in den Kirchen oder Zunftstuben bekannt gemacht? Hingegen stehe fest, daß die Juden in- und außerhalb der Meßzeit Bütten von städtischem Geld in ihre Häuser trügen, zu welchem Ende, wisse Niemand. Wenn aber so das Geld der Christen unter die Juden käme, dann bleibe jenen nichts anderes übrig, als von dem gottlosen Gesinde Geld um hohen Zins zu leihen. Bürgerun. I, 5. 2) 1. e. I, 3. 2) 1. e. I, 4. Zeitschr. s. d. Gesch. d. Juden i. Deutscht. IV. 10