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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 2 · p. Seite 142

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 2
Article
Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
Date
1890-01-01
Page
Seite 142 (sequence 16)
Language
German
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142 Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612—1618. seitigung dieses Schandgemäldes; die Häupter des Ausstandes wollten nicht einmal seine Verhüllung zugeben^). Wir sehen demnach, daß auch in Frankfurt wie an anderen Orten theils wirtschaftliche, theils religiöse Beweggründe für die Vertreibung der Juden maßgebend waren. Kaiser Rudolf II. war am 21. Januar 1613 gestorben. Wenige Monate später, Mitte Mai, fanden sich die Kurfürsten (mit Ausnahme des von Brandenburg) in Frankfurt zur Kaiserwahl ein, die bekanntlich auf König Mathias, den Bruder des verstorbenen Herrschers, fiel. Den Bestimmungen der goldenen Bulle gemäß beriefen die Bürgermeister die Vertreter der 41 Zünfte und der 8 Gesellschaften am 23. Mai in den Römer, um sie eidlich zu verpflichten, bei Verlust ihrer Privilegien für die Sicherheit der in der Stadt versammelten Fürsten zu sorgen. Die Forderung dieser Eidesleistung gab nun den Anstoß zum Fettmilch'schen Aufstand. In einer Eingabe an den Rath, unterzeichnet von „den Zünften, Zunftgenossen und anderen Bürgern, so nicht zünftig", erklärten diese, den Eid nicht eher leisten zu können, als bis ihnen ihre Freiheiten und Privilegien mitgetheilt würden. Sei doch keine Stadt, kein Dorf so unbedeutend, daß ihre Bewohner nicht völlige Kenntniß ihrer politischen Rechte hätten. Ferner verlangten sie, „da sie von den Juden mit ihrem übermäßigen Wucher zum höchsten verderbt, ausgemergelt und ausgesogen und wider die bürgerliche Freiheit Schulden halber ins Gefängnis geworfen wurden", eine Einschränkung der Ueberzahl der Juden sowie Reducirung des Zinsfußes von 12"/> auf 5<>/o—6"/o mit rückwirkender Kraft, dergestalt, daß diese die zuviel gezahlten Zinsen herausgeben müßten; auch sollten sie nicht mehr von Christen Geld leihen dürfen. Drittens wünschte die Bürgerschaft, um direct mit den Producenten in Verbindung zu treten, die Errichtung eines Kornmarktes 2). Der mit den Kr'önungsfeierlichkeiten vollauf beschäftigte Rath ging am 9. Juni über diese Bittschrift zur Tagesordnung über mit dem Bemerken, „die Supplikanten sollten aus ihr Anhalten zur Geduld ermahnt werden" ^). In diesem Bescheide sahen aber die Bürger nur einen Vor- >) S. 70. 2) Bürgerunwesen I, 1. 2) Bürgermeisterbuch 1612 Juni

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