Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 2 · p. Seite 140

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 2
Article
Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
Date
1890-01-01
Page
Seite 140 (sequence 14)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
96% known words query
IRI
…/2259275-2259324-2259327-2264514--1539-2264575
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

140 Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fetlmilch'schen Ausstand 1612—1618. sich keineswegs der Zinsfuß immer auf dieser Höhe. Das so zahlreiche Angebot von Geld mußte ihn nothwendiger Weise herabsetzen und wir können wohl den häufigen Versicherungen der Juden Glauben schenken, daß sie sich bei sicheren Schuldnern mit geringeren Zinsen begnügt haben (8 bis 1 Procent), sowie sie andererseits bei unsicheren Ausständen Wucherzinsen verlangt und dadurch an und für sich schon zweifelhafte Existenzen oft völlig zu Grunde gerichtet haben mögen. Die Einseitigkeit der Gesetzgebung nöthigte sie eben, das Geldleihgeschäft möglichst auszunutzen. Dieses wurde übrigens vom Rathe selbst begünstigt, wie bereits erwähnt. Er schoß öfters einzelnen Juden bald zu niedrigerem, bald zu recht hohem Zinsfuß städtische Gelder vor; was Wunder, daß sie alsdann gezwungen waren, um so höhere Zinsforderungen an ihre Schuldner zu stellen. Ganz irrig ist übrigens die Ansicht, daß damals der größere Theil der Bürgerschaft Frankfurts den Juden tief verschuldet war. Die städtischen Beedebücher dieser Zeit, welche die Vermögenssteuer aller Einwohner — sowohl Juden als Christen — aufführen 2), zeigen, daß die großen Vermögen in den Händen der Christen und nur vereinzelt in jüdischem Besitze waren. Wie wir später bei der Schilderung des Aufstandes erfahren werden, fanden von Mitte 1613 ab Ermittlungen statt, in welchem Umfang und in welcher Höhe die Bürger den Juden verschuldet waren. Die darüber allerdings nur unvollständig geführten Protocolle lassen die Zahl der Schuldner nicht sehr groß erscheinen. Damit stimmt auch durchaus die Versicherung der Juden, der wir öfters in dieser Zeit begegnen, daß sie Geldgeschäfte nur zum geringeren Theil mit den Einwohnern der Stadt, vielmehr meistens mit Auswärtigen trieben. Tief verschuldet freilich waren zum großen Theil diejenigen, welche an dem Aufstande einen hervorragenden Antheil genommen haben, so Fettmilch, Weitz, Kantor, Sauer, Gerngroß, Schopp u. s. w. Daß diese die Vertreibung der Juden nicht aus rein sachlichen Gründen betrieben, sondern weil sie darin das einfachste Mittel sahen, ihrer Verpflichtungen ledig zu werden, sagten ihnen dieselben geradezu ins Gesicht. Für die zeitgenössische Auffassung ist immerhin bemerkenswert^ daß die kaiserlichen Cemmissarien bei der Eröffnung der Untersuchung gegen die Hauptangeklagten zunächst festzustellen suchten, ob und inwieweit diese Schuldner der Juden wären. Die Zünfte klagen ferner in ihren Petitionen über die Unsolidität der S. Tom. 34 der kaiserlichen Commissionsacten aus dem Dinrnal von 1610: „Extract die geldere den Juden geliehen von 1587—Z 612". 2) Sie wurden in gleicher Höhe von Christen und Juden erhoben.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.