Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 137 (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
- article
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2259275-2259324-2259327-2264514--1536-2264572- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Kcaeauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612—1618. 1Z7 hatten t). Er bat auch im Verhör gegen vieles ihm zur Last Gelegte sich damit entschuldigt, daß er es nur auf Antreiben Anderer gethan habe. Einige Male, als die Wogen der Bewegung am höchsten gingen, hatte er im Gefühl seiner eigenen Unfähigkeit die Menge gebeten, ihm das Amt eines „Directors" wieder zu nehmen, was diese ihm aber unter Hinweis auf den von ihr gegebenen „Schadlosbrief" abschlug. Als es sich aber zeigte, wie nichtig diese angebliche Schutzwaffe für Fettmilch war, brach seine früher so sichtlich zur Schau getragene Zuversicht und sein Trotz völlig zusammen. Seine Haltung war nicht die eines politischen Märtyrers, der für seine Ideale zu leben und zu sterben weiß; während der laugen Hast hat er beständig de- und wehmttthig um Gottes Willen um Gnade gebeten, „da er unbedacht und aus Unverstand gehandelt habe". Von sonstigen Personen, welche einen hervorragenden Antheil an dem Aufstande genommen hatten, verdienen noch der Buchdrucker Sauer, die Advecaten Palthenius und Brenner, sowie der ursprünglich wohlhabende, später aber tief verschuldete Wollhändler Adolf Kantor Erwähnung, doch sind uns ihre näheren Lebensverhältnisse unbekannt. Auch die in socialer und religiöser Hinsicht bedrückten „Niederländer" hatten sich der Bewegung völlig in die Arme geworfen, doch verstanden sie sich noch zur rechten Zeit zurückzuziehen. Die mit in Fettmilchs Geschick Verflochtenen, wie der Schreiner Eonrad Gerngroß, der Schneider Conrad Schopp, der Seidenfärber Georg Ebel, stehen in geistiger Hinsicht bedeutend hinter den Genannten zurück; nur durch ihre Gewalttätigkeiten haben sie das Verderben über sich heraufbeschworen. Nach diesen einleitenden Bemerkungen wollen wir noch kurz die Lage der Juden vor dem Ausbruch des Aufstandes besprechen. Die Zahl der Juden in Frankfurt wird erst seit der Mitte des 16. Jahrhunderts bedeutendden höchsten Stand erreichte sie um das So äußerte er auch auf dem Wege zur Hinrichtung: Er und seine Freunde wollten den alten Rath nicht abgesetzt haben, wenn es ihm nicht einige der Achtzehner angerathen hätten. Ihm koste dies den Kopf, es seien aber vornehme Leute mit im Spiele gewesen, denen es blos den Geldbeutel schwitzen machen werde (Kriegk S. 397). 2) Ueber die Zahl der Juden im 14. und 15. Jahrhundert s. Bücher, die Bevölkerung von Frankfurt am Main u. s. w. S. 526 ff. und besonders die Tabellen aus S. 549—551 und 571; dort auch das Nöthige über den Berechnungsmodus.