Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 2
- Article
- Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 135 (sequence 9)
- Language
- German
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Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612—1618. 135 persönlichen Vortheil mißbraucht habe. Wir werden in Folgendem sehen, ob sich dieses Urtheil noch aufrecht erhalten läßt. Zunächst steht fest, daß Fettmilch nicht ohne Entgelt seine Dienste der Bürgerschaft gewidmet hat; er erhielt dafür wöchentlich ein Gehalt von 7 Gulden. Die niederländische Gemeinde in Frankfurt hatte ihm außerdem zugesagt, nach glücklicher Beendigung des Aufstandes für ihn und seine Familie dauernd sorgen zu wollen^). So wie Weitz war er Bestechungen durchaus zugänglich. Nach der übereinstimmenden Aussage der jüdischen Baumeister, sowie der Siebener¬ und Neuner-Commission nahm er bei Gelegenheit der Schuldabrechnungen ohne Unterschied von den Juden und ihren christlichen Schuldnern Geld unter dem Versprechen, ihre Sache zu fördernEr hielt auch erstere bisweilen auf der Straße an und verlangte unter Drohungen Geld, welches diese ihm auch aus Furcht gaben ^). Gegen Zahlung von 50 Gulden hatte er auch einem Juden Schutz während der Plünderung der Gasse zugesagt Ueberhaupt ließ er bei dieser Gelegenheit seiner Habsucht völlig die Zügel schießen. Er sowohl wie seine Kinder haben einen förmlichen Raubzug gegen das Eigentum der Juden organisirt ^), was auch der kaiserliche Urteilsspruch noch besonders hervorhebt. In seinem öffentlichen Austreten machte sich serner seine Neigung zu Gewaltthätigkeiten bemerklich. Nicht blos Juden und Jüdinnen hat er ohne jeden Grund körperlich mißhandelt, auch gegen seine christlichen Gegner gebrauchte er die Faust oder den Stocks. Dabei ist ihm eine gewisse Gutmüthigkeit, wie wir sie häufig bei stark sinnlichen Naturen finden, nicht abzusprechen. Es muß ihm immerhin als Verdienst angerechnet werden, daß er nach der Erstürmung der Judengasse Blutvergießen verhindert und seinen Einfluß zu Gunsten des Abzuges der Juden geltend gemacht hat.!) Kais. Com. Bd. 29. Sie verehrten ihm bei verschiedenen Gelegenheiten lheils kleinere Geldsummen, theils Tuch, Sammet u. s. w. 2) 1. o. Bd. 15. 3) 1. c. 4) 1. e. Bd. 29. s) S. weiter unten. Kriegk meint, Fettmilch's Selbstlosigkeit ergebe sich schon aus der Thatsache, daß er noch vier Tage vor seiner Verhaftung wegen einer unbezahlten Schneiderrechnung von 14 Gulden verklagt und von Seiten des Gerichtes mit Pfändung bedroht wurde. Aber sein verschwenderisches Leben, sowie seine zahlreiche Familie — er hatte sieben Kinder — erklären diese stete Geldverlegenheit. «) S. Kriegk S. 248—249.