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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 2 · p. Seite 134

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 2
Article
Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
Date
1890-01-01
Page
Seite 134 (sequence 8)
Language
German
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134 Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Ausstand 1612—1618. er auch das Kriegshandwerk ergriffen — es ist unbestimmt wann — und eine niedere Charge bekleidet. Wie lange er im Soldatenstande ausgeharrt hat, können wir nicht ermitteln; 1602 hatte er denselben schon verlassen und war wohl nach erfolgter Verehelichung Kuchenbäcker geworden. Aus diesem Jahre befindet sich bei unseren Acten eine Klage von ihm gegen einen Bürger, der ihn einen Schelm genannt hatte Mittheilungen aus späterer Zeit wissen über sein Privatleben nur Ungünstiges zu berichten. Man warf ihm vor, daß er „Gastereien und besonders Trinkgelagen" allzu ergeben wäre, „er sei gern dabei, wo man frißt und säuft" Mit dieser Genußsucht verband er eine stark sinnliche 'Natur. August 1611 ward er bei einem Ehebruch in Bornheim ertappt ^) und bald darauf beschuldigt, eine jüdische Magd mit unsittlichen Anträgen verfolgt zu Habens. Ob und inwieweit dagegen die von Hanau-Lichtenbergischen Rathen erhobene Anklage, daß er falsches Geld geprägt habe^), auf Wahrheit beruht, läßt sich nicht mehr ermitteln; doch ist es immerhin bemerkenswert^ daß ein Soldat behauptete, falsches Geld von ihm erhalten zu Habens. Ein erschöpfendes Bild über Fettmilch's Charakter und Begabung gewinnen wir aus seinem öffentlichen Auftreten. Noch Kriegk spricht von einem „gewissen sittlichen Halt seines Wesens" ^), insofern als er bei seinem politischen Streben und Wirken gewiß das Wohl seiner Mitbürger im Auge gehabt, und rühmt an ihm, daß er seine politische Stellung nie zu seinem!) Viäimirts eopia iustruinorni protestationis et rssxeetivo retorsionis Viueentii Pettmilelis Kuchenbäckers. In der Klage nennt sich Fettmilch Bürger und Kuchenbäcker, wohnhaft „Zum Hasen in der Tingesgasse". Er sagt dabei von sich: „Wie wohl ich auch von meinen jungen Tagen bis auf gegenwärtige Zeit mich eines ehrlichen, redlichen und unverleumdeten Wesens und Wandel beflissen, mit ehrlicher Handtierung und Gewerbe meine Nahrung gesucht, daß mir kein ehrliebender Mann mit Wahrheit anders nachsagen kann" u. s. w. (Vntei-K. 9). 2) Z. e. 94 Nr. 10. 2) Z. e. Nr. 9: „Zeugenverhör wegen Vincenz Fettmilch, welcher sich zu Born- Heim im Ehebruch soll überstehen haben". — Er übernachtete am 11. August 1611 bei einem Wirth in Bornheim und legte sich zur Köchin zweier Soldaten, die ebenfalls daselbst logirten. Sie forderten von ihm Genugthuung und Fettmilch mußte ihnen 6 Thaler geben, die er sich gegen eine Schuldverschreibung vom Wirthe entlieh. In dieser schreibt er sich Vincenz Fedtmilch. 4) Kais. Com. Bd. 29. ') Bürgermeisterbuch 1613 3. V. «) IIvtei-Ze^. 94 Nr. 10. ') S. 248 ff. Bekanntlich spricht sich auch Goethe in Dichtung und Wahrheit (Buch 4) über F. Bestrebungen anerkennend aus.

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