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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 2 · p. Seite 133

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 2
Article
Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
Date
1890-01-01
Page
Seite 133 (sequence 7)
Language
German
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Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612—1618. 1ZZ Da seine Vermögensverhältnisse sehr zerrüttet waren, — er schuldete den Juden hohe Summen — so spähte er gierig nach jeder Gelegenheit, Geld von ihnen zu erpressen. Wurde, oft auf seinen Antrieb hin, eine denselben feindliche Maßregel geplant, so unterrichtete er sie heimlich davon mit dem heuchlerischen Vorgeben, ihre Noth ginge ihm tief zu Herzen, und versprach ihnen beizusteben, wenn sie ihm Geld dafür geben würden. Eine stattliche Anzahl von Fällen werden uns namhaft gemacht, in denen er „durch seine Praktiken einen guten Brocken von den Juden zu erschnappen verstanden hatte". Damals coursirte eine sehr bezeichnende Redensart über ihn in der Judengasse, „wenn Weitz mit dergleichen Aufzügen an die jüdischen Vorsteher herankam, hieß es, der Nelumeä (Studirter, Advocat) hat wieder ein Watter gemacht; wir müssen ihm etwas bluten, damit wir das Gewölk vertreiben" ^). Nur scheinbar tritt Weitz in den Hintergrund im Vergleich zu Fettmilch, welcher bisher für die Seele des auch nach ihm genannten Aufstandes gehalten worden ist. Ueber dessen früheren Lebensgang und seine Familienverhältnisse hat zuerst Kriegs) auf Grund der städtischen Acten, welche sich aus den Commissionsacten noch ergänzen lassen, Mittheilungen gebracht. Seine Familie stammte aus dem Hessischen; Fettmilch's Bruder, Eitel, bemerkt einmal in einer Eingabe, daß seine Vorfahren schon 100 Jahre lang dem Landgrafen von Hessen gedient hätten 3). Vincenz' Geburtsjahr steht nicht fest; ebensowenig sein Geburtsort. Sein Vater scheint wohlhabend gewesen zu sein, denn der jüngere Sohn, Eitel Fettmilch, der im Aufstand eine nur untergeordnete Rolle gespielt hat, erhielt eine gelehrte Erziehung und wurde Licentiat der Rechte. Auch Vincenz scheint ursprünglich für den Gelehrtenstand bestimmt gewesen zu sein, aber ihn bei seinem unstäten Wesen bald aufgegeben zu haben; jedenfalls erhielt er eine die Durchschnittsbildung seiner Standesgenossen weit überragende Erziehung, die ihn befähigte, sich in Frankfurt als serika, d. h. Rechtskonsulent, niederzulassen. 1595 bewarb er sich vergebens um den Posten eines Schreibers im Spital zum Heiligen Geist. Einige Zeit lang hatte ') Z. e. Aus alledem, bemerkten die kaiserlichen Commissionsacten, erkenne man 1. das InZeniuiQ komiiiis, 2. oäium ixsius in lulZeos, 3. can8am iwxul3ivam warurnb er derselben Abschaffung ... so heftig mag getrieben und was er für Nutzen daraus zu erlangen verhofft. 2) S. 250 ff. s) Kais. Com. Bd. 33^- Kriegk ist der Ansicht, daß Reinhold Fettmilch, der, in Oberhefsen geboren, als reisiger Diener der Burg Friedberg 40 Jahre in Budesheim lebte und 1602 Frankfurter Bürger ward, der Vater unseres Fettmilch ist.

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