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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 2 · p. Seite 132

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 2
Article
Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Aufstand 1612 - 1618
Date
1890-01-01
Page
Seite 132 (sequence 6)
Language
German
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132 Kracauer: Die Juden Frankfurts im Fettmilch'schen Ausstand 1612—1618. Das Interesse des Beobachters erlahmt schließlich. Der Aufstand erscheint ihm öfters wie ein Feuer, welches dem Erlöschen nahe ist; dichter Qualm verräth nur noch die Spuren der einstigen Gluth, bis diese von Neuem durch einen Lufthauch angefacht wird, um bald wiederum in sich zusammenzusinken. Nur der tragische Abschluß wendet ihm wieder unsere Theilnahme zu. Werfen wir jetzt einen Blick auf die Führer und Leiter der Bewegung, soweit sie überhaupt an die Oberfläche treten. Der geistig Bedeutendste unter ihnen ist unstreitig Nicolas Weitz, von Beruf ein Advocat, wie überhaupt dieser Stand ähnlich wie in der französischen Revolution einen hervorragenden Antheil an den Dingen genommen hat. Von ihm ging die Initiative zu den verhängnisvollsten Beschlüssen aus; die andern Häupter der Bewegung, Fettmilch, Kanter u. s. w., standen mit ihm im lebhaftesten Verkehr und holten sich von ihm Instruktionen. Vom Anfang des Jahres 1613 ab, wo er mit siebzehn anderen Bürgern in den Rath gewählt wurde, war seine Herrschaft in der Rathsstube eine fast unumschränkte. „Was Weit) vorschlug oder wofür er eintrat, wurde allemal angenommen". Die neuen Rathsmitglieder bis auf zwei oder drei folgten ihm blindlings, und die alten ließen sich von ihm terrorisiren ^). Daher bezeichnen ihn die Kaiserlichen Commissarien treffend als ^anteZiZnainiL IniMs traAoeäiae" und die Verhörsakten beschäftigten sich vorzugsweise, mit ihm^). Die Beweggründe für sein Vorgehen, wenigstens gegen die Juden, liegen klar zu Tage. Er war ein durchaus unlauterer Charakter, habsüchtig und jeder Art von Bestechung zugänglich. Unsere Akten weisen nach, daß er, der sich über die betrügerischen Manipulationen der Juden so bitter beklagte, wissentlich Quittungen gefälscht Schuldscheine auf listige Weise seinen Gläubigern zu entreißen und dann zu vernichten gesucht hat ^).!) Acten der kaiserlichen Commission Bd. 33^. Verschiedene Rathsherrn bezeugten später: Dem Votum des Weitz hat sich Niemand widersetzt, weil er ein Gelehrter und der älteste Schöffe war. y 1. e. Bd. 70V-. 2) Besonders Bd. 33^. ^) 1. e. Der Frau von „Schmuel zum Drachen" zahlte er 49 DucaLen, schrieb aber auf die Quittung 94 Ducaten. ) Er schuldete drei Juden eine hohe Summe und forderte die Obligation von ihnen unter dem Vorwand, sie bezahlen zu wollen. Kaum hatten ihm diese die Obligation eingehändigt, so ließ er sie abtreten, schnitt die lange Presse in der Mitte entzwei und entfernte sein Siegel und seine Unterschrist. Als die Juden darauf mit Klagen drohten, stellte er ihnen, da er von Christen bei diesen Manipulationen beobachtet worden war, eine Urkunde aus (datirt vom 16. IX. 1613), daß er die fragliche Obligation, obgleich sein Siegel von ihr weggekommen sei, doch noch als giltig anerkenne.

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