Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 2
- Article
- Zur Geschichte des Studiums der hebräischen Sprache in Deutschland während des sechszehnten Jahrhunderts
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 112 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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112 Geiger: Zur Geschichte des Studiums der hebräischen Sprache Zu dem damals von mir gesammelten und nur theilweise verwerteten Material sind unterdessen mancherlei neue Beiträge gekommen; von ihnen Kunde zu geben ist Aufgabe der folgenden Erörterung. Von einem hierher gehörigen Briefe von Sebastian Münster an A. Masius ist bereits oben (Band III, S. 393) kurz gesprochen; daselbst ist auch bereits angedeutet, daß derartige Studien recht Wohl in diese Zeitschrift gehören. Es ist nicht blos meine specielle Vorliebe, welche mich bestimmt, Beiträge dieses Inhalts hier aufzunehmen. Zwar muß der Redacteur einer Zeitschrift, wenn er die Berechtigung beweisen will, gerade an der Spitze des Unternehmens zu stehen, etwas von seiner Eigenart und seinen Lieblingsstudien auch in der Zeitschrift zum Ausdruck bringen und daher habe ich mich von Anfang an bemüht, die Berührungen der Geschichte der Juden mit einem von mir mit Vorliebe gepflegten Felde, dem der neueren deutschen Literaturgeschichte aufzuzeigen; diese Versuche dürfen aber nicht soweit gehen, um Ungehöriges der Zeitschrift einzuverleiben. Mittheilungen aber über die Geschichte des Studiums der hebräischen Sprache sind in einer Zeitschrift für die Geschichte der Juden nichts Ungehöriges, wenn selbst in diesen Beiträgen von Juden nicht speciell die Rede sein sollte; denn Geschichte der Juden ist doch nicht blos eine Erzählung ihrer äußeren Schicksale, sondern eine Darstellung ihrer Geistesschätze, ihrer Heiligthümer; und welches unter diesen Heiligthümern fand größere Beachtung als ihre Sprache. Zudem ist schon an anderer Stelle (Band II, S. 321 ff.) darauf hingewiesen worden, daß gerade die Beschäftigung christlicher Gelehrten mit der Sprache der Juden die ersteren auch veranlaßte, den Schicksalen dieser Sprachbewahrer näher zu treten, über ihr Wesen nachzudenken und ihr Urtheil über dieselben zu sormuliren. Charakteristisch ist z. B., daß Joh. Eck ^) gelegentlich den deutschen Juden vorwirft, und zwar auf die Autorität des Elias Levita hin, daß sie die hebräische Sprache schlecht sprächen im Vergleich mit den italienischen. Der Eifer für die hebräische Sprache ging in jener Zeit so weit, daß auch christliche Frauen hebräisch lernten, falls nicht etwa die in der höchst beachtenswerte Thatsache, daß derselbe eine niedrigere Besoldung empfing, als die übrigen Professoren. Doch würde es unrichtig sein, daraus den Schluß zu ziehen, daß die Professur des Hebräischen in geringerer Achtung stand als die übrigen Stellen. Der Grund für die geringe Besoldung lag wohl einfach darin, daß der Betreffende eine geringere Amtstätigkeit hatte als die meisten seiner College«. Ecks Schreiben an Herzog Georg 1536, mitgetheilt bei Wiedemann „Eck" S. 618: „und die wucherischen teutschen Juden reden ihr sprach zu dem übelsten, wie ich zu Rohm unterschidlich von ihn gehört nnd Helias der teutsch Jnd bekam ursach sie lernten kein dickduck".