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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 1 · p. Seite 104

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 1
Article
[Ohne Titel] / H. B.
Date
1890-01-01
Page
Seite 104 (sequence 5)
Language
German
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104 Nachrichten. blatt" wieder aufgewärmt, ein guter Artikel von F. H. in der Voss. Zeitg., 6. Okt. (Sonntagsbeil. 40) zeigt das Unbegründete dieser ganzen Erfindung. Für die Geschichte des biblischen Dramas außerordentlich wichtig ist Reinhardstöttners Abhandlung: Zur Geschichte des Zesuitendramas in München (Jahrb. f. Münchener Geschichte, Bd. III, 1889, Sep. A. 124 SS.). R. analysirt sehr viele Dramen aus dem 16.—18. Iahrh., in welchen neben den oft behandelten Stoffen, wie Joseph, Esther, auch die seltener vorgenommenen, wie Simson, Ahab und Aehnl., vorkommen. Specielle Vorführung der Juden findet sich in diesen Dramen nicht, doch ist die dichterische Verwerthung biblischer Stoffe ein Moment, das auch an dieser Stelle Beachtung verdient. D. Kaufmann: Die letzte Vertreibung der Juden aus Wien und Niederösterreich, ihre Vorgeschichte und ihre Opfer (Budapest 1889 im Jahresbericht der Landesrabbinerschule in Budapest für das Schuljahr 1887—88) ist eine ausführliche (228 SS.), vortreffliche, aus den Quellen geschöpfte, durch Benutzung und Mittheilung zahlreicher ungedruckter Materialien, und durch sachliche und kritische Darstellung ausgezeichnete Arbeit. Sie zerfällt in folgende Abschnitte: „Ferdinand II. und die Judenstadt von Wien; die Regierungszeit Ferdinand III.; Leopold I. und die Vertreibung der Juden aus Wien und Niederösterreich; Die Vertriebenen in der neuen Heimath: Mähren, Böhmen, Ungarn, Bayern, Brandenburg, Polen, Frankreich". Für mich speciell war der Abschnitt über Brandenburg, die ins Einzelne gehenden Mittheilungen über die „Wiener", die ersten Berliner Ansiedler von hohem Interesse. Sollte in der Bemerkung S. 207 A. 4: „L. Geiger hat hierüber „in den Berliner und Wiener Archiven nichts finden können"," (Die Gänsefüßchen von „in" bis „können" rühren von Kaufm. her) ein Vorwurf gegen mich liegen, so muß dagegen bemerkt werden, daß damals im Berliner Geh. Staatsarchiv — aus dem Wiener hat Kaufmann für diesen Gegenstand auch nichts Neues — eben wirklich nichts gefunden wurde. Die Schuld liegt nicht an mir. Damals 1870 war, wie jeder Historiker weiß, die Arbeit in den Archiven nicht so mühelos wie heutzutage; an Stelle der jetzigen Liberalität herrschte ziemliche Engherzigkeit, vor allen Dingen eine Willkür der Zutheilung, gegen welche der Arbeitende völlig machtlos war. Es wäre daher nicht wohlgethan, wenn der Nachfolger, dessen Fleiß und Umsicht höchlich anzuerkennen ist, dem Vorgänger ein Versäumniß zuschieben wollte, wegen dessen ihn keinerlei Schuld trifft. — Am Schlüsse des „Jahresberichts" findet sich ein Verzeichnis der angekauften Bücher. Ich kann nicht unterlassen zu constatiren, daß in diesem Verzeichniß diese Zeitschrift — fehlt (Das 1. Heft der Negesten ist vorhanden.). Während die unbedeutendsten kleinen deutschen Stadtgeschichten, antisemitische Broschüren alter und neuer Zeit angeschafft und gebucht werden, fehlt diese Zeitschrift, die von Kaufmann selbstverständlich benutzt und citirt worden. Ich wundere mich über das Fehlen nicht; aber es ist doch gut auch öffentlich auf die Vernachlässigung hinzuweisen, welche dieser wissenschaftlichen Zeitschrift selbst von Instituten zu Theil wird, von denen man erwarten sollte, daß sie in dem-

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