Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 1
- Article
- Kleine Beiträge zur Geschichte der Juden in Berlin
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 62 (sequence 34)
- Language
- German
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62 Geiger: Kleine Beiträge zur Geschichte der Juden in Berlin. er nicht den Satz brauchen: „Im Ganzen genommen stehen die Juden jetzt noch auf eben derjenigen Stufe der Gebildtheit (!), auf der sie vor mehr als 2000 Jahren standen". In mancher Beziehung stimmt er mit den Verfassern des Sendschreibens überein, freilich mit einiger Beschränkung. Er sagt nämlich, „wer von ihnen sich von diesem die Mitbürgerschaft unmöglich machenden Bestreben gewiß lossagt und als befreit beweist, gegen diesen fällt für die Staatsverfassung der ursprüngliche Ausschließungsgrund weg. Der bisherige Jude, welcher zeigt, daß er von der einstmals geglaubten Verbindlichkeit gegen seine Nationalgesetze als solche nach seiner innigen Ueberzeugung sich losmachen dürfe und wolle, ist für den Staat nicht mehr Jude". Nur meint er, daß die Christen manches gegen den neuen Ankömmling haben werden, und schlägt daher vor, daß die ehemaligen Juden erst dann, wenn mehrere Generationen derselben mit Nicht-Jüdinnen verheirathet waren, zu allen Staatsämtern zuzulassen sind. 6. Treue Relation. Der genaue Titel oben S. 58 Anm. 1. Nach „machte" steht im Original noch „ein Fingerzeig für die Juden". Die Schrift erschien: Berlin 1799. 24 S. Eine judenfeindliche Schrift, aber nicht vom antiaufklärerischen, sondern wirklich vom antijüdischen Standpunkt aus. Es ist ein Gespräch in der Gesellschaft. Ein Mann lieft zuerst die Zeitungsanzeige des Sendschreibens vor, dann das Sendschreiben selbst. Titel und einige Kraststellen der Schrift werden wiedergegeben, hauptsächlich aber die Bemerkungen mitgetheilt, welche von den Mitgliedern der Gesellschaft gegen die Juden als die auf dem Moquierstuhl Sitzenden gemacht werden. Alle möglichen Vorwürfe gegell die Juden werden erhoben, die Gespreiztheit ihres Auftretens, ihre thörichte Meinung, der Staat werde ihretwegen eine natürliche Religion einführen, die Länge der Auseinandersetzungen, an einen Pfarrer gerichtet, der von diesen Dingen mehr wisse als die Schreiber selbst, und manches Andere wird heftig getadelt. Die Meinung geht hauptsächlich dahin, die Juden mögen nur die Taufe annehmen und die Gebräuche beobachten; was sie glauben, sei ihre Sache, darum kümmere sich Niemand. Die beste Antwort, die man ihnen geben könne, als Inbegriff des Christenthums, fei Evangelium Matthäi 19, Vers 16—21, eine Stelle, in der Jesus bekanntlich dem mit den zehn Geboten und dem Gebot der Nächstenliebe Unzufriedenen sagt, er solle Alles verkaufen und sein Gut den Armen geben; die Schrift schließt boshaft genug mit den Worten: „Sie können gewiß glauben, meine Herren, daß es die Juden nicht wie jener gemacht haben würden, von welchem es daselbst heißt: ,Da der Jünger das Wort hörte, ging er betrübt von ihm; denn er hatte viele Gittert