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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 1 · p. Seite 60

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 1
Article
Kleine Beiträge zur Geschichte der Juden in Berlin
Date
1890-01-01
Page
Seite 60 (sequence 32)
Language
German
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60 Geiger: Kleine Beiträge zur Geschichte der Juden in Berlin. welche Gott durch Moses den Israeliten habe verkündigen lassen. Er selbst drückt diese Ansicht einmal mit den Worten aus: „weil diese Nation noch immer fortfährt, Jesum Christum zu verwerfen". Der ganz eigenartige Standpunkt des streng christlich theologisch gesinnten Verfassers tritt in folgendem Satze hervor: „Möchte doch die Christenheit, die den ersten Gläubigen so ganz unähnlich geworden ist, das Sendschreiben der jüdischen Hausväter als einen sehr beschämenden Vorwurf ihrer unverantwortlichen Abweichung von Jesu, ihrem Herrn betrachten. So sehr der jüdische Sendschreiber in der Angabe dessen was er für Religion hält, irrt, so unstreitig ist es, daß die meisten sogenannten Christen in ihrem Leben nicht einmal jene Sätze befolgen, und wenn das Sendschreiben eine Verspottung des Christenthums sein sollte (welches ich doch unmöglich glauben kann) würde alsdann das sittliche Verhalten der christlichen Welt diesen Spott widerlegen?" 3. Die Juden nebst einigen Bemerkungen über das Sendschreiben an Herrn Co nsistorialrat und Probst Teller zu Berlin von einigen Hausvätern jüdischer Religion und die daraus erfolgte Tellersche Antwort von Christian Ludwig Paalzow. Berlin 1799 bei Christian Gottfried Schöne. 74 S. Ueber Paalzow's frühere Schriften vgl. Schmidt und Mehring, Neuestes gelehrtes Berlin. Band II, S. 96 folg. Schon äußerlich unterscheidet sich die Schrift von den früheren. Während letztere keine oder nur theologische Anmerkungen hatten, d. h. Bibelstellen anführten und erklärten, hat letztere viele gelehrte Citate aus Schriftstellern des Alterthums. Paalzow bekämpft die Meinung der Sendschreiber, daß ihre Ceremonien sie bisher gehindert hätten, Staatsbürger zu sein, und stellt als seinen Satz auf, „die Juden haben in derjenigen Bedeutung, in der die Christen das Wort Religion nehmen, eigentlich gar keine Religion". Diesen Satz will er erweisen durch einen Hinweis auf das Leben der Juden in Aegypten und durch Anführung einer großen Stelle des Philosophen Kant. Seine eigene Untersuchung richtet sich aber mehr darauf, „ob sonst etwas die bürgerliche Aufgabe der Juden hindere, worin dieses Hinderniß bestehe, ob es gehoben werden könne und wie es zu heben sei". Seine Antworten sind die folgenden: Die Aufnahme der Juden zu Bürgern würde gehindert durch ihre Praktiken, ihren Eigendünkel. Ihre Gleichstellung sei nicht erwünscht, weil zu befürchten sei, „daß die Juden ihres Charakters und ihrer engen Verbindung wegen in einer kurzen Zeit allen Handel und alles Gewerbe der Christen an sich ziehen, diese zu Sklaven, zu bloßen Arbeitern erniedrigen und kurz alles Gewerbe in ein Monopolium ihrer Nation verwandeln würden". Er führt den übrigens schon vor ihm oft widerlegten Abscheu der Juden gegen den Soldatenstand als Grund

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