Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 1
- Article
- Kleine Beiträge zur Geschichte der Juden in Berlin
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 59 (sequence 31)
- Language
- German
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Geiger: Kleine Beiträge zur Geschichte der Juden in Berlin. 59 Naturalismus und bekämpft die Juden resp. die Schrift ihrer Vertreter von diesem Standpunkte aus. 1. Beantwortung des an Herrn Probst Teller erlassenen Sendschreibens einiger Hausväter jüdischer Religion, nicht von Teller. Berlin 1799. 46 S. Die kurze Analyse bei Ritter S. 101 ist treffend. Nur muß noch hervorgehoben werden, daß der unbekannte Verfasser die Sendschreiber in einen Gegensatz zu Mendelssohn zu stellen sucht und ihr Bekenntniß des Judentums nicht für dasjenige hält, welches Mendelssohn als das der echten und wahren Anhänger jenes Glaubens anerkannt haben würde. Der Satz, den der Verfasser hauptsächlich verficht und der ihm so klar wie der Tag scheint, ist der, daß „die jüdischen Hausväter keine Alternative haben als entweder, insofern sie in sich den Beruf zur Sittlichkeit fühlen, das Christentum, wie es allgemein confessionirt ist, anzunehmen oder zuzugeben: daß sie sich bewußt sind, den Pflichten nicht genügen zu können, zu denen sie beim Annehmen des Christenthums sich verpflichtet halten". 2. Ueber das Sendschreiben einiger Hausväter jüdischer Religion an den Oberconsistorialrath Teller und die von demselben ertheilte Antwort. Leipzig, P. G.Kummer 1792^, 150 S. /^SF (Bei Graetz nicht genau angeführt und gar nicht besprochen.) Trotz des Titels, welches die Tellersche Antwort vorauszusetzen scheint, ist der größere Theil, der Schrift, bis S. 120, vor Tellers Antwort geschrieben. Die Kritik dieser letzteren Schrift, welche die letzten 30 Seiten unserer Broschüre einnimmt, braucht hier nicht berücksichtigt zu werden. Der Verfasser setzt auf den Titel ein hebräisches Motto und bekennt, daß er sich hauptsächlich jüdische Leser wünsche, bittet also die Christen, den Juden sein Buch zugänglich zu machen. Daher ist er keineswegs ein Feind der Juden, deren Vorzüge erstens das älteste Volk, zweitens, das Volk Gottes zu sein, er vielmehr ausführlich hervorhebt, sondern nur ein Gegner des Freisinns, der Bibelkritik, der Vernunftreligion. Er polemisirt gegen die Scheidung von Ceremonialgesetzen und Glauben und sucht die Ansicht durchzuführen, daß beide eng mit einander zusammenhängen. Er beantwortet die Frage: „Und warum konnte denn die jüdische Nation bis heute ihren Zustand nicht verbessern? Warnm ist Alles bisher vergebe lich gewesen, was sie selbst unternahmen und was viele unter den Christen von Julians Zeiten bis auf diese Stunde zur Verbesserung ihrer drückenden Lage unternommen haben?" nach Aufzählung einer großen Masse von Bibelstellen, die er nach seinem Sinne deutet, dahin, daß die Bekehrung der Juden noch nicht eingetreten sei, weil sie die Lehre nicht angenommen,