Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 1
- Article
- Kleine Beiträge zur Geschichte der Juden in Berlin
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 57 (sequence 29)
- Language
- German
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Geiger: Kleine Beiträge zur Geschichte der Juden in Berlin. 57 lich führt er auch eine mir unbekannt gebliebene Schrift an, die er aber als gänzlich witzlos und verfehlt charakterisirt: „Verteidigung der frühen Beerdigung der Juden von H. W. A. b. A. I. i. H. geschrieben an seinen Freund S. S. D. in K. Hamburg 1788". 14. Berliner Monatsschrift 179ft, Band I. Der genannte Band, welcher mir bisher nicht zugänglich war (vgl. Bd. III. S. 203 Anm. 1), ist mir nun in der Bibliothek der G'öritz- Lübeck'schen Stiftung, die ich schon vielfach zu rühmen hatte, benutzbar geworden. Sie kommt für unseren Zweck in Betracht wegen eines im Aprilhefte S. 377—381 eingerückten Aufsatzes „Vorschlag an die Juden, das Purimfest abzuschaffen". Der Vorschlag wird begründet durch den Hinweis aus den Inhalt der Esthergeschichte, welcher bei Christen bedenkliche und gefährliche Anschauungen über eine etwaige Rache seitens der Juden erregen könnte, sodann durch eine Hervorhebung der bei dem Fest vorkommenden Gebräuche, welche „zum Teil derart sind, daß sie schon lange die ganze Nation bei denkenden Köpfen zum Gelächter gemacht haben". Gegen diesen Aussatz nimmt der Verfasser der „Freimütigen Gedanken eines Juden über den Vorschlag an die Juden, das Purimfest abzuschaffen", Juniheft S. 563—5771) den Inhalt des Buches Esther in Schutz und sucht, ohne die am Purimfest üblichen Gebräuche irgendwie vertheidigen zu wollen, darzuthun, daß „die Abschaffung dieser und ähnlicher Absurditäten und Alfanzereien nur durch wahre Aufklärung bewirkt werden kann". Bor allem aber weist er darauf hin, daß gerade dieses Fest den Juden Gelegenheit gebe, den Armen zu spenden und für Arm und Reich Gastfreundschaft zu üben, und daß, um diese guten Wirkungen nicht schwinden zu lassen, auch eine Aufrechterhaltung des ganzen Festes erwünscht sei. 1s. Die Literatur übex Friedlaenders Sendschreiben. Das merkwürdige Sendschreiben Friedlaenders, das für Stimmung und Gesinnung der Juden Berlins am Ende des 18. Jahrhunderts ungemein charakteristisch ist, wurde oben Bd. I, S. 256 gekennzeichnet, eine Art Roman, welche durch das Sendschreiben veranlaßt wurde, ist oben Bd. III, S. 224 fg. i) Verfasser desselben ist Dav. Friedlaender nach Schmidt und Mehring, Neuestes gelehrtes Berlin 1795, I, S. 136). Die Spenersche Zeitung unheilte darüber: „Sie sind lesens- und beherzigenswerth und mit Geist und Lebhaftigkeit vorgetragen".