Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 1
- Article
- Kleine Beiträge zur Geschichte der Juden in Berlin
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 49 (sequence 21)
- Language
- German
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Geiger: Kleine Beiträge zur Geschichte der Juden in Berlin. 49 Baron treibt, muthig aufdeckt, der dem Minister, bei den er ein- und ausgeht, zu guten Thaten veranlaßt, und der sich weder durch die schlechte Behandlung, die ihm zu Theil wird, noch durch häßliche Foppereien, mit denen man ihn narrt, in seiner edlen Gesinnungs- und Handlungsweise irre machen läßt. Durch die Zeichnung eines solchen Charakters steht der Dichter durchaus auf Seiten der Juden. Er beurtheilt die christlichen Wucherer viel schlimmer als die Juden. Nur gab er dadurch, daß er den Juden in jüdischem Dialekt sprechen ließ, dem Schauspieler Gelegenheit, den Juden zu karrikiren und die Zuschauer zum Lachen zu reizen. Nach Herz' Angabe muß eben der Schauspieler, welcher diese Rolle darzustellen hatte, von dieser ihm dargebotenen Gelegenheit allzu ausgiebigen Gebrauch gemacht haben. Man wird dem jugendlichen Kritiker — Herz war damals 24 Jahre alt -- ganz wohl einräumen können, daß das Stück platt, witzlos, ohne jede Kunst gemacht ist. Aber andererseits wird man zugestehen müssen, daß fein ganzer Ausfall von einer übergroßen Empfindlichkeit diktirt ist. Die Schrift, von der man gewöhnlich sagt, sie sei in Königsberg entstanden, ist doch wohl in Berlin geschrieben und gedruckt. Jedenfalls bezieht sie sich gewiß auf Berliner Verhältnisse. Nach Plümicke's Theatergeschichte (Berlin 1781, S. 392 ff.) ist das Stück zu Berlin im Jahre 1771 vom 11. Juni an 35 Mal aufgeführt worden, und eben auf diese zahlreichen Aufführungen spielt Herz an, der sein Schriftchen im Weinmonat schrieb und veröffentlichte. 8. GoUer: „Versuch über das Volk" 1788. Rührt die ebenerwähnte und theilweise mitgetheilte Verteidigung der Juden von einem Judeu her, der sich, vielleicht nicht einmal am rechten Ort, seiner Glaubensgenossen annahm, so ist die nun solgende von einem h'öhern christlichen Beamten verfaßt, ein echtes Zeugniß und Erzeugniß der Aufklärungszeit. Ueber den Verfasser, Christoph Goßler, Geh. Kammergerichtsrath, der in der Allgemeinen Deutschen Biographie fehlt, vgl. die wenigen Notizen in dem „Neuesten Gelehrten, Berlin" 1795, Band I, S. 161. Die betreffende Stelle findet sich S. 83 ff. Das Capitel, in dem die Stelle steht, ist überschrieben: „Neigung zur Untreue und zum Betrug". Es ist vom Wucher die Rede, und nachdem derselbe charakterisirt worden ist, wird dem Staate vorgeworfen, eine Gattung von Unterthanen durch Einschränkungen in eine solche Lage zu setzen, daß sie genötigt sind, ihre Mitbürger zn übervortheilen. Danach fährt der Verfasser fort: Zeitschr. f. d. Gesch. d. Juden i. Deutscht. IV. 4