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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 1 · p. Seite 48

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 1
Article
Kleine Beiträge zur Geschichte der Juden in Berlin
Date
1890-01-01
Page
Seite 48 (sequence 20)
Language
German
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48 Geiger: Kleine Beiträge zur Geschichte der Juden in Berlin. den Erkenntlichkeiten die man ihn (sie!) aufdringen will, nicht ausgewichen zu sehn. Welche Auszeichnung eines Charakters! so viel Eigenschaften, so viel widerlegte Vorurteile. Man versucht, ihn länger bey sich zu halten, um sich gehörig dankbar erzeigen zu können, er giebt kein Gehör, man bietet ihm ein ganzes Vermögen an; er wird empfindlich darüber, man will ihm die Tochter geben - und siehe! er ist ein Jude, eben eine solche Person, wider die im ganzen Hause das größte Vorurtheil herrschet, und dessen sich die Spitzbuben so meisterlich zu bedienen gewußt. Noch mehr, gesetzt auch, Leßings Reisender wäre kein Jude, gesetzt er wäre (sie!) ein — verkleidetes Frauenzimmer; Orbil ein Weiberfeind, der eben das Vorurtheil wider das weibliche Geschlecht hätte, das er jetzt wider die Juden hat, so würden dem Dichter freilich viele Schönheiten verloren gegangen sein, mit denen er jetzo das Stück so reichlich besäet (sie!) hat; er würde z.B. nicht die Gelegenheit gehabt haben, die niedrigen Gesinnungen des Pöbels zu zeigen, zu welchem ein verderblicher Nationalhaß verleitet, nicht die thörichten Gründe vor Augen zu legen, mit welchen es diese zu beschönigen sucht, und hätte nicht so manchen naiven Zug anbringen können, für den wir ihm jetzo so sehr verbunden sind; aber dem ohnerachtet würde das Stück alle Eigenschaften eines Nachspiels so wie man es von Leßing erwarten kann, vollkommen besitzen, und der Charakter des Reisenden nichts desto weniger unser ganzes Jntereße auf sich ziehen. Allein Die abgedankten Offiziere — laßen Sie Pinkus keinen Juden seyn, oder laßen Sie ihm auck sein Zudenthum und nehmen Sie ihm nur seine abgeschmackte Sprache, über welche unser Parterre sich so herzlich freuet, ob es gleich kein Wort davon verstehet, welch eine elende Figur muß Pinkus machen, und welch ein kahles, langweiliges Slück bleibet uns übrig!" Nach diesen Bemerkungen unseres Verfassers müssen wir das Stück Stephanies wenigstens einer kurzen Betrachtung unterziehen. Es ist eines jener Soldatenstücke, in denen Stephanie excellirte, und zu denen er durch Lessings Minna von Barnhelm und durch die Kriegsunruhen jener Zeit die Anregung erhalten hatte. Tie Helden des Stückes sind zwei abgedankte Offiziere, von denen der eine aus Edelmuth und Tugend besteht, der andere überaus leichtsinnig, infolge seines Leichtsinns Schurken in die Hände fällt und sich auf dem besten Wege befindet ein arger Verbrecher zu werden. Der erstere wird von der Nichte des Ministers, der andere von der Tochter des Wirths, bei rem sich beide aufhalten, geliebt. Beide werden, nachdem die Adlige ihren Bräutigam in arge Verlegenheit gebracht und die Wirchstochter den ihrigen aus einer argen Klemme gerissen hatte, mit ihren Mädchen glücklich. Die Offiziere erhalten wieder Dienst, die Verbrecher, nämlich ein Baron, der in schlimmster Weise seine angeblichen Freunde betrügt, und sein Helfershelfer, ein gemeiner Winkelkonsulent, werden entlarvt. Derjenige nun, dem ein Theil des Verdienstes zukommt, die glückliche Lösung herbeizuführen, ist der Jude Pinkus. Er ist ein braver Kerl, der seinen Schuldner nicht drängt, der den Schwindel, welchen jener

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