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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 1 · p. Seite 47

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 1
Article
Kleine Beiträge zur Geschichte der Juden in Berlin
Date
1890-01-01
Page
Seite 47 (sequence 19)
Language
German
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Geiger: Kleine Beiträge zur Geschichte der Juden iu Berlin. 47 genoßen als einen Gegenstand des Gelächters auf das Theater bringt, von allem, was man Sitten, Anstand und Würde nennt, beraubt, der bei den Großen die Stelle eines Favoritpudels vertritt, den man seines schmutzigen Wesens ungeachtet dennoch nicht übel zu leiden pflegt, dem man auch manchen guten Bißen unter den Tisch wirst, der aber dafür sich nicht unzufrieden zeigen darf, wenn man ihn bei guter Laune einmal derbe herumzoddelt, der sich von den schlechtesten (was sonst als aus Hoffnung zu einem Gewinnste?) auf das niederträchtigste behandeln läßt; der einen lüderlichen Menschen, welcher das Seine durchgebracht, sich in Schulden gesetzt, und allenthalben Waaren aufnimmt, um sie für den halben Werth zu verspielen, noch Geld vorschießt und dadurch seiner ausgelaßenen Schwelgerei Nahrung giebt; der endlich sonst keine vorteilhafte Seite zeigt, als daß er diesem leichtsinnigen Verschwender sein Geld mit sechs Procent leihet! Mad. A. Ihre Kritik ist sehr verschieden von einer andern, die ich mich erinnnere einst über Leßings Juden gelesen zu haben, wider welche Herr Leßing selbst einen Brief von unserm lieben M. bekannt gemacht hat, der — Mad. V. Freilich, eben so verschieden als Leßings Held von Stephanie verschieden ist. Hätte Herr Leßing seinen Juden einen Pinkus sein lassen, so setzn Sie nur immer versichert, das Stück hätte unzählige Male aufgeführt werden können, ohne daß irgend ein theologisches Blut darüber in Wallung gerathen wäre, ebenso hat ihn jener menschenfreundliche Recensent verlangt, ebenso hätte er ihn gerne aufgeführt sehen wollen; allein wie weit edler hat Herr Leßing gedacht? Sein Reisender besitzt den ausgesuchtesten Charakter und hat das Interesse aller Zuschauer für sich, wenn er auch nicht von einer Rotte Spitzbuben, die ihn umgeben, ausgezeichnet werden möchte. Freilich ist einem in der Noch behspringen, und ihn aus Mörderhänden reißen, eben keine Handlung, die groß genennt zu werden verdient, ich weiß, es giebt keinen so verworfenen Menschen, der seine Pflicht so weit aus den Augen setzen, und für seinen Nebenmenschen nicht ein gleiches thun würde, es müßte denn ein solcher seyn, dem diese menschliche Gesinnung selbst unwahrscheinlich vorkömmt; allein nichts desto weniger muß diese philosophische Abwiegung der Pflichten weichen, und unser Herz in seinen zärtlichen Empfindungen über die ausgeübte Handlung ungestört lassen; nichts desto weniger, ich berufe mich auf Ihr eignes Urtheil, vergießen wir mit demjenigen, der die Wohlthat empfangen, und seiner Familie, die dem Erretter ihre Stütze, und ihren Vater zu verdanken hat, Thränen der Dankbarkeit, und wünschen bald selbst diese Handlung verrichtet zu haben, bald an die Stelle des Erretteten zu seyn, um unser warmes Gefühl in seiner ganzen Fülle gegen den Wohlthäter ausschütten zu können; und je großmüthiger dieser sich bezeigt, je weniger er seine ausgeübte Handlung zu schätzen scheint, desto liebenswürdiger ist er uns, desto mehr reißt er uns zu sich hin. Und wie sehr weiß nicht ein Leßing seinen Zweck zu erreichen? Sein Reisender ist ein Mann, der zu leben weiß, der mit dem edelsten Anstände sein Betragen äußert, der, merken Sie wohl, auf seiner Reise einen Mantelsack mit Büchern bei sich führt, der voll Sanftmuth die Schmähungen des dümmsten Pöbels erträgt, und die Grobheiten seines Bedienten mit Geschenken erwiedert, dem nichts unerträglicher ist, als die Erwähnung seiner Wohlthat, dem es leid thut, i

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