Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 1
- Article
- Kleine Beiträge zur Geschichte der Juden in Berlin
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 30 (sequence 2)
- Language
- German
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30 Geiger: Kleine Beiträge zur Geschichte der Juden in Berlin. mehrfach in den Darlegungen dieser Zeitschrift berührt habe, den aber zu behandeln, von allen Seiten zu beleuchten ich nicht müde werden darf, weil ich gerade darin die vornehmste Aufgabe dieser Zeitschrist erblicke. Wie oft muß ich noch immer von Gutgesinnten — denn die groben Aeußerungen Uebelwollender zu beachten habe ich nie der Mühe Werth gefunden — hören: Wozu wird dies oder jenes Aktenstück, Lied, schriftliche Zeugniß des Judenhasses gedruckt? Meine Antwort darauf kann nur immer die eine sein: Dem Geschichtschreiber gelten diese Berichte, Quellenauszüge als Bausteine, als Materialien; ich bin — um einen Ausdruck zu gebrauchen, den Ranke einmal im Gespräche gebraucht hat, — neugierig zu wissen, was früher geschehen, was früher gesagt worden ist. Die Aeußerung eines Zeitgenossen ist einer Momentphotographie zu vergleichen: sie giebt den augenblicklichen Zustand, die zufällige Stimmung eines Einzelnen oder einer größeren Schaar getreu und ungeschminkt wieder und muß von dem, welcher frühere Zustände geschichtlich darstellen will, sorgsam beachtet werden. Aus diesem Grunde darf man keinen Anstoß daran nehmen, wenn auch im Folgenden einzelne mißtönende Aeußerungen vorkommen; nur das Streben, geschichtliche Erkenntniß zu fördern, veranlaßt und rechtfertigt zugleich den Wiederabdruck auch solcher Zeugnisse. 1. Aeußerungen PH. Z. Speners. Es ist nicht uninteressant zu beobachten, wie ein frommer und aufrichtiger Theologe, PH. Jac. Spener, sich zu den Juden stellt.Er wünscht die Bekehrung der Indens und erzählt Fälle, wie dieselbe erfolgte. Einer, der sein Leben lang Neigung zum Christenthum gehabt, wird kurz vor seinem Ende durch einen dreimaligen Traum zur Annahme desselben getrieben. Die Bekehrungen, welche er verlangt, erklärt er für eine Sache der geistlichen, aber nicht der weltlichen Obrigkeit. Die letztere könne höchstens die Juden zum Ackerbau anhalten. Aber eine solche Maßregel habe nur dann einen Zweck, wenn sie eine allgemeine, durch ganz Deutschland Herrn v. Phil. Jac. Spener's theologische Bedenken und ändere brieffliche Antworten auf geistliche, sonderlich zur erbauung gerichtete Materien, zu unterschiedenen Zeiten ausgesetzt, endlich auf langwieriges Anhalten christlicher Freunde in einige Ordnung gebracht und nun zum dritten Mal herausgegeben. 4 starke Bände in 4". Halle 1712—1715. y Ueber Judenbekehrung ck. I, 155, 770, HI, 440, bes. wichtig IV, 90 ff. Cap. 7, ^i'tie. I, seetlo XVIII. „Christliches bedenken wegen der Anstalten zur Bekehrung einiger Juden an denen orten, da dieselbe wohnen".