Mannheim
Compact Memory

Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 1 · p. Seite 23

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 1
Article
Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Juden im dreißigjährigen Kriege
Date
1890-01-01
Page
Seite 23 (sequence 6)
Language
German
Belongs to
article
OCR quality
97% known words query
IRI
…/2259275-2259324-2259326-2264352--1392-2264414
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

im dreißigjährigen Kriege. 23 sie in den schwärzesten Farben schilderten, erhoben würde, da die durch den Krieg zerrütteten Stände die Mittel nicht aufbringen könnten. Im Rath erwog man, ob man dem Gesuch der Juden, auch die einmalige Steuer abzulehnen, statt geben solle. Einstweilen instruirte er seine Vertreter zu Osnabrück, „weil die Sache an sich selbst mehreres Nachdenken erfordere und der Konsequenz halber reiflich zu erwägen sei", vollständig passiv zu bleiben und das Verhalten der andern Stände abzuwarten. Inzwischen wollte sich der Rath mit den benachbarten Fürsten, besonders mit dem Erzbischof von Mainz hierüber verständigen. Dessen Räthe erklärten, wenn die Majorität der Stände dafür wäre, gegen eine einmalige Besteuerung keinen Einspruch zu erheben. Darauf hin befahl die Stadt ihren Vertretern, von vornherein die Besteuerung abzulehnen, „doch zur Verhütung alles Unglimpfes und Widerwillens, sowohl bei dem kaiserlichen Kammergericht, als sonsten gute Moderation und Bescheidenheit zu gebrauchen. Sollte aber die Steuer wider Verhoffen von der Majorität angenommen werden, so akkommodire sie sich auch derselben". Trotz wiederholter Anträge verwarf Ferdinand III. auch die einmalige Steuer. Daß die Abgesandten der Frankfurter Juden das ihrige dazu gethan hatten, deutet ein Schreiben des langjährigen Vertreters der Stadt auf den Reichstagen, Zacharias Stenglin, an ^). Der Friede von Osnabrück nnd Münster ließ die Frankfurter Juden zunächst noch nicht aufathmen. Bei der Schließung des Friedens war verschiedenen Mächten, besonders den Schweden, eine ansehnliche Geldentschädigung zuerkannt worden, für welche die Stände auszukommen hatten. Daß die unter ihnen sitzenden Juden so gut wie die Christen dazu beisteuern mußten, war nicht mehr als billig. Die Frankfurter Juden zahlten 1649 „zur schwedischen Satisfaktion" 6000 anstatt der ihnen ursprünglich auferlegten 9000 Gulden-). Außerdem aber meldete sich auch der Kaiser wieder bei ihnen durch den Oberkommissar Christoph Speck, der ihnen in seinem Austrage eröffnete, „da sie fast die ganze Zeit des Krieges ihm viel weniger beigesteuert hätten, als einige Christen und weit höher privilegirte Unterthanen, und sie jetzt des theuer erkauften Friedens ebenso wie die Christen genössen, so gebühre es sich in alle Wege, daß sie gegen ihn, als das höchste Oberhaupt, desi) Die Frankfurter Juden hatten bereits 1644 ein Darlehn von 1700 Thalern bei Christen aufgenommen „7^"7V6'NN "j^l^" „sür Interzessionszwecke", um die ihnen drohende Steuer abzuwenden. S. Gemeindeb. 112k. y Brgm. 1649, Jan. 25 und Dez. 13.

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.