Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1890
- Issue
- Heft 1
- Article
- Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Juden im dreißigjährigen Kriege
- Date
- 1890-01-01
- Page
- Seite 20 (sequence 3)
- Language
- German
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20 Kracauer: Beiträge zur Geschichte der Frankfurter Juden Den Befehl desselben ignorirte die Stadt vollständig; ja sie ging sogar so weit, — man könnte es fast für Ironie halten —, daß sie sich bei ihm für die Zurücksendung ihrer Juden allerunterthänigst bedankteDiese sei doch unzweifelhaft nur deshalb erfolgt, damit den uralten kaiserlichen und königlichen Privilegien der Stadt nichts präjudizirt, noch die ganz verarmte Judenschaft über Gebühr beschwert werde. Wir wundern uns kaum, daß, als Pistorius von Burgdorf dieses Schreiben dem Reichshofrath übergeben wollte, letzterer die Annahme verweigerte, ihn vielmehr an den Kaiser selbst wies. Porß, durch den zähen Widerstand des Rathes und der Juden entmuthigt, verhielt sich inzwischen ganz unthätig. Um so rühriger waren dagegen zwei Abgesandte der Frankfurter Gemeinde, welche diese abermals nach Wien geschickt hatte. „Sie vigiliren sehr fleißig und sind im Verdacht, als ob sie viel verschmieren", schrieb Pistorius dem Rath. Auf das Gutachten der Hofkammer hin, — ob dasselbe ganz unbeeinflußt durch jüdisches Geld war, lasse ich dahingestellt —, geruhte der Kaiser, die Judenschaft „mit Rücksicht auf ihr so inständiges Anlangen und Bitten und ihres elenden und verderbten Zustandes mit dem Darlehen gnädigst zu verschonen" Noch glücklicher erging es den Juden in einer 2 Jahre darauf folgenden Kommission des Oberstlieutenant Jmmel. Dieser, ein gewissenloser Abenteurer, der sich durch schamlose Erpressungen bereichert hatte, ersah sich jetzt Frankfurt zum Schauplatz seiner verbrecherischen Thätigkeit. Die damalige Schaukelpolitik der Stadt, welche sich mit allen kriegführenden Parteien auf guten Fuß zu setzen suchte, ausbeutend, verleumdete er sie und die Judenschaft beim Kaiser, als ob sie seinen Feinden wesentlichen Vorschub geleistet, ihnen Munition, Proviant u. s. w. gewährt hätte. Ferdinand III. betraute ihn mit der Untersuchung hierüber. In Frankfurt angelangt, gab Jmmel vor, außerdem noch von den Juden „zur Okkupirung der Wetterau" 30000 Thaler einziehen zu sollen 3). Die Stadt wußte aber ihr politisches Verhalten am kaiserlichen Hof zu rechtfertigen, und da man in Wien nicht allzuscharf gegen sie auftreten wollte, so hob man die Kommission wieder auf. Nichtsdestoweniger blieb Jmmel noch in Frankfurt, um Geld von den Juden — er hatte seine ') Ihr Schreiben an den Kaiser ist datirt vom 11. XII. 38. 2) s. Brgm. 1639, Oktob. 10. s) Ueber Jmmels Vorleven s. Reichssachen No. 11523 und über seine Kommission s. UnLerg. L. 49 und Brgm. 1640, Nov. 24 und 1641, März 11.