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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1890-01-01 · Heft 1 · p. Seite 4

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1890
Issue
Heft 1
Article
Zur Geschichte der Juden in Rothenburg an der Tauber
Date
1890-01-01
Page
Seite 4 (sequence 4)
Language
German
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4 Breßlau: Zur Geschichte der Juden iu Rothenburg an der Tauber. heit" an den Rath, in der Klage geführt wird, daß „der Doctor"') versuche, die Juden „in große Ungnade zu bringen gegen die Gemeinde, Frauen und Mann", dergleichen bisher niemals geschehen sei. Aber eben in dieser Eingabe sprechen die Bittsteller die Hoffnung aus, daß des Doctors Vorhaben, die Juden aus der Stadt zu vertreiben, nicht die Unterstützung des Rathes finden werde und beschwören ihn um Gottes willen, Barmherzigkeit mit ihnen zu haben, da sie sich doch alle Zeit in Gehorsam und UnterthSnigkeit gegen Rath und Gemeinde verhalten hätten. Auch später haben gerade die angesehensten von ihnen, der Arzt Joseph Oeringer und Jsaac Levi, der sich kaiserlicher Majestät besonderer Schutzverwandter nennt, alles aufgeboten, um wieder in die Stadt eingelassen zu werden, und in wiederholten Bittschriften an die StadLbehörde, welche von benachbarten Fürsten und Herren, u. a. dem Markgrafen Casimir von Brandenburg und dem Reichserbmarschall Ulrich von Pappenheim durch Jntercessionsschreiben unterstützt wurden, dringend um Wiederaufnahme nachgesucht, so daß gar nicht daran zn denken ist, daß sie dieselbe aus eigenem Antriebe verlassen hätten. Vielmehr ist jene unwahre Darstellung der Sache offenbar in den officiellen Actenstücken deshalb gewählt worden, um späteren Beschwerden der Juden mit um so größerem Recht entgegentreten zu können. Wo man aber dieser Maske nicht bedurfte, da hat man sie fallen lassen: der Würzburger Jurist vr. Eucharius Steinmetz, den der Rath, wie wir gleich hören werden, in dieser Angelegenheit consultirt hat, sagt denn auch in seinem Antwortschreiben vom 26. November 1519 (f. 175) ganz ehrlich, er habe zwei Schreiben des Rathes, die Irrungen wegen der Juden betreffend, erhalten und „zuvörderst gern gehört das löbliche Fürnehmen, zu Aufnahme eurer Bürger und Unterthanen die Juden aus eurem Gebiet zu vertreiben". Wie in Nürnberg und Nördlingen, in Ulm und Regensburg, so sind also auch in Rothenburg die Juden vertrieben worden^) und die entgegenstehende Behauptung des Rathes ist eine Unwarheit. Eine Consiscation des Vermögens der ausziehenden Juden war, wie 1) In der einzigen neueren Darstellung, die auf diese Dinge eingeht, bei Merz, Rothenburg in alter und neuer Zeit (2. Aufl. 1881), wird der Prediger I)r. Deuschlin (Teuschlin) als der Hauptagitator genannt. Er ist ein Freund Carlstadts und während des Bauernkrieges umgekommen. In unseren Akten wird sein Name nicht erwähnt; doch ist hier wohl an ihn zu denken. 2) Dem entspricht es denn auch, daß gleichzeitig mit der oben mitgeteilten Proclamation allen auswärtigen Juden auf das strengste das Betreten der Stadt untersagt wurde, ein Verbot, an welchem der Rath unverbrüchlich festhielt, wie eifrig sich auch benachbarte Grafen, Herren und Ritter in zahlreichen uns vorliegenden Verwendungsschreiben um Dispens von demselben für ihre Juden bemüht haben.

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