Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 3
- Article
- [Ohne Titel] / H. B.
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 394 (sequence 3)
- Language
- German
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394 Nachrichten. dem Titel „Jerusalem". Ich kenne es zwar bloß noch aus der Erzählung einiger seiner Berliner Freunde; aber der Inhalt läßt es mutmaßen". Zum 100. Geburtstage Ephraim Salomon Ungers (8. März) veröffentlicht A. Pick in „Signale aus der literarischen Welt" Sp. 3073— 3078 (Umschlag von Kürschners, Deutsche National-Ateratur) einen Artikel, dem ich Folgendes entnehme. E. S. Unger ist in Coswig 8. Mär; 1789 geboren (sein Vater, ein jüdischer Kaufmann, stammte aus Preßburg), war 1810—1816 Dozent der mathematischen Disciplin an der Erfurter Hochschule, nach Aufhebung derselben Begründer einer mathematisch-naturwissenschaftlichen Lehranstalt, welche die Grundlage des Königl. Realgymnasiums Erfurt wurde. Die Anstalt wurde 1844 der Stadtgemeinde übergeben, U. mußte, seines Glaubens wegen, auf die Leitung verzichten, wirkte als Lehrer und Professor an derselben bis zum I. 1861 und starb am 1. Nov. 1870. Er war als Stadtverordneter thätig und ließ sich als solcher besonders die Prüfung des Rechnungswesen angelegen sein. Pick fährt fort: „Sodann hat er den Plan für die heute zu so großer Bedeutung gelangten Gothaer Lebens- und Feuerversicherungen entworfen; der in diesem Institute herrschende Grundsatz der „Gegenseitigkeit" war seine Lieblingsidee. Auch mit der Einrichtung von Sterbekassen beschäftigte er sich und schrieb die Prinzipien vor, nach welchen jene infolge mangelhafter Anlage vielfach in ihrem Fortbestande bedrohten Einrichtungen umgestaltet und zu gedeihlicher Wirksamkeit befähigt wurden. Am 20. September 1860 feierte er das Jubiläum seines Eintritts in vie Reihe der Dozenten der Universität Erfurt unter allgemeinster und ehrendster Beteiligung (vergl. Programm der Realschule, Erfurt 1862) und erhielt bei dieser Gelegenheit von den städtischen Behörden das Ehrenbürgerrecht verliehen. Diese Ehre teilt er bis heute nur mit 20 um Erfurt hochverdienten Männern. Auch auf kirchlichem Gebiete war der fleißige Mann zum Besten der Gesamtheit thätig. „Seine Glaubensgenossen vereinigte er zu einem festen, für sie und für die Stadtgemeinde nützlichen Verbände. Er führte die hiesige Synagogengemeinde ins Leben, indem er für die hier lebenden Juden im Jahre 1811 das Syndikat übernahm, die Genehmigung der Finanz- und Domänenkammer ä. <Z. 29. April 1812 zur Bildung einer kirchlichen Gemeinde erwirkte und das Vorsteheramt derselben bis zum Jahre 1835 führte." (Vergl. den Nachruf des Magistrats vom 2. November 1870, Thüringer Zeitung 1870, Nr. 262.)" Er veröffentlichte von 1815—1856 18 verschiedene Schriften hauptsächlich aus dem Gebiete der Arithmetik. L. G. In den Mittheilungen des Instituts f. österr. Geschichtsforschung X, 459 ff. publicirt P. Scheffer - Boichorst aus einem Sammelband des Straßburger Bezirksarchivs eine Urkunde Friedrich II. vom 3. Januar 1216 für die Juden in Regensburg, in welche ein große Bruchstück einer Urkunde Friedrichs I. — wahrscheinlich von 1182 — für dieselben ausge-