Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Kritik der neuesten jüdischen Geschichtschreibung
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 390 (sequence 18)
- Language
- German
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390 Geiger: Zur Kritik der neuesten jüdischen Geschichtschreibung. zu herrschen in der Welt, er rief die Sonne hervor und sie strahlte Licht aus, er sah und bildete die Gestalt des Mondes". Noch schlimmer ist es, wenn (S. 48) von einem Satze Freidank's „Ob Sklave oder frei, der von Geburt Nicht-Adlige soll sich durch Tugend adlig zeigen" gesagt wird, er stimme zu dem Grundsatz des Talmuds „Ein Unehelicher, der aber ein Jünger der Weisen ist, ist einem unwissenden Hohepriester vorzuziehen". Diese Beispiele könnte ich leicht mehren, aber es wäre überflüssig noch andere nicht parallele Parallelstellen herbeizubringen. Ich gebe zu, daß bei einzelnen Sätzen gewisse gedankliche Anklänge an die talmudische oder rabbinische Literatur sich finden; sie sind aber niemals so frappant, daß eine direkte Abhängigkeit des deutschen Schriftstellers von jenen angenommen werden muß. Nach meiner Ueberzeugung ist in G.'s Schriftchen Scharfsinn und Gelehrsamkeit umsonst verschwendet. Aber auch die ganze Methode, von der er ausgeht, ist eine falsche. Tie Berührungen zwischen Christen und Juden in jener Zeit des Mittelalters waren ziemlich gering, die Lust der Christen, Hebräisch zu lernen, so wenig vorhanden, daß eine wirkliche Abhängigkeit der deutschen Literatur von der rabbinischen in keiner Weise angenommen werden kann. Mit dieser Zurückweisung eines verfehlten Versuches Witt ich diese Betrachtung jedoch nicht schließen. Vielmehr stelle ich an den Schluß dieser Studie die Erwähnung eines Sammelwerkes ^), über dessen die Geschichte der Juden in Deutschland betreffenden Arbeiten ich im Wesentlichen meine volle Anerkennung aussprechen kann. Eine Ausnahme macht nur B. Rippners Aufsatz „David Friedender und Probst Teller", keine Studie und keine Darstellung, sondern nur ein unwissenschaftliches und parteiisches Gerede. Da Rippner diese Zeitschrift schon häufig mit besonderer Zärtlichkeit erwähnt hat, so soll er nicht das Vergnügen haben, in gleicher Weise behandelt zu werden, wie er den Herausgeber und seine Mitarbeiter behandelt hat. Es mag daher genug sein, wenn ich bemerke, daß der Verfasser seinem Gegenstand nicht die mindeste neue Seite abgewinnt, sondern oft Gesagtes mit Breite und Selbstgefälligkeit vorträgt. Daß David Friedländer diesem Herrn nnd seinen Genossen unverständlich und unangenehm ist, kann nur eine Ehre sein für den wackern und verdienstvollen Berliner Aufklärer. Einen sehr wohlthuenden Gegensatz gegen das gänzlich unbedeutende Machwerk, das nicht erwähnt worden wäre, wenn ich nicht gefürchtet hätte, man könnte mein Schweigen falsch auslegen, bilden die drei übrigen hierher gehörigen Aufsätze. PH. Bloch's Studie „Die ersten Culturbestrebungen der jüdischen Gemeinde Posen unter preußischer Herrschast" darf als eine Vorgeschichte des Aufsatzes von Warschauer (vgl. oben Band III, S. 12—63) gelten. Die Bestrebungen vom Ende des 18. Jahrhunderts bis in die dreißiger Jahre dieses Jahrhunderts, die Wirksamkeit der Aufklärer und 2) Iubelschrift zum siebzigsten Geburtstage des Prof. vr. H. Grätz. Breslau, S. Schottländer 1887. VIII und 324 SS. Die zweite Abteilung, 88 Seiten umfassend, hebräische Abhandlungen enthaltend, liegt unserer Betrachtung fern. Die Titel der hier in Betracht kommenden Aufsätze sind bereits genannt (s. o. S. 99). Die Aufsätze stehen in der Iubelschrift S. 162—171,194—217, 218—278, 279—313.