Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Kritik der neuesten jüdischen Geschichtschreibung
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 389 (sequence 17)
- Language
- German
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Geiger: Zur Kritik der neuesten jüdischen Geschichtschreibung. Z89 des Gefäßes; nur aber darauf kommt es an, dies und nicht der Thon überhaupt ist das eigentliche tertium eomxarationiZ, und dieses fehlt, wie gesagt, in den meisten Bibelstellen. Wie weit der Verfasser, verführt durch seine ausgebreitete Bibelkenntniß und durch sein verfehltes Bestreben überall Anklänge zu finden, geht, mag daraus geschlossen werden, daß er bei einer Freidank'schen Stelle (S. 35 ff.), die von verschiedenen Herausgebern verschieden erklärt worden ist, für jede dieser Erklärungen gleich eine Bibelstelle bereit hat. Noch weniger stichhaltig ist der andere Satz, den G. verficht, der nämlich, daß Freidank die rabbinische Literatur benutzt habe. Zu diesem Ende müßte wahrscheinlich gemacht werden, daß Freidank mit Juden in Beziehung stand. Dies wird zwar S. 7 behauptet, aber es wird nicht einmal ein leiser Versuch gemacht, den Beweis anzutreten. An einer andern Stelle gar nimmt der Verfasser an, daß Freidank Süßkind von Trimberg gekannt und von ihm in das ihm bisher unbekannte Quellengebiet eingeweiht worden sei, aber seine Sätze sind auch hier unerwiesne Behauptungen, denn über die Persönlichkeit, über Zeit und Aufenthaltsort des Zusammenstellers des Werkes, welches Freidank's Namen führt, weiß man nichts Bestimmtes; ihn also als Nachbar und Zeitgenossen Trimberg's anzuführen und daraus Folgerungen zu ziehen wie G. S. 38 thut, ist durchaus unzulässig. Was nun aber von talmudischen Stellen angegeben und als Quelle für Freidank hingestellt wird, enthält entweder so allgemeine moralische Regeln und Vorschriften, daß sie Freidank auch aus zahllosen anderen Quellengebieten entnommen haben konnte, oder es trifft inhaltlich nur ganz allgemein mit dem von Freidank Gesagten zusammen, sodaß eine direkte Benutzung jener Stellen durchaus nicht angenommen werden muß, oder endlich die jüdischen Quellen besagen etwas ganz Anderes, und man versteht oft den Verfasser kaum, wie er eine Aehnlichkeit zwischen inhaltlich so verschiedenen Stellen finden konnte und Anderen wahrscheinlich machen wollte. Auch hier muß ich mich damit begnügen, eine oder die andere Stelle hervorzuheben. S. 21 wird ein Satz aus Freidank mitgetheilt, des Inhalts, Gott habe gleich am Anfang gewußt, was alles geschehen solle. Als Parallele dazu wird eine Talmudstelle angeführt, in der die Unterredung eines Talmudisten und eines Heiden erzählt wird, in welcher eigentlich das Gegentheil nachgewiesen werden, Gottes Vorwissen zwar nicht bestritten, aber eine Art Trauer als berechtigt erklärt werden soll, welche Gott über den Schmerz der Menschheit empfindet. S. 24 heißt es bei Freidank: „Wir sehen die Himmelzeichen schweben, die bewegen sich, als wenn sie leben, Sonne, Mond, Sternenschein, was mag diesen Wunder gleich sein." Man wird zugeben, diese Stelle bedarf wohl schwerlich der Vorlage; einen solchen Satz können eben die verschiedensten Schriftsteller der verschiedensten Jahrhunderte selbstständig gebrauchen. Was soll man aber dazu sagen, wenn als Parallele oder als ein Satz, an den der Freidank'sche naturgemäß erinnert, folgender Passus aus einem Sabbatgebet angeführt wird: „Herrlich sind die Lichtkörper, die unser Gott geschaffen. Er hat sie mit Vernunft, Einsicht und Verstand versehen und ihnen Macht und Kraft gegeben.