Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Journal
- Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
- Volume
- 1889
- Issue
- Heft 3
- Article
- Zur Kritik der neuesten jüdischen Geschichtschreibung
- Date
- 1889-01-01
- Page
- Seite 391 (sequence 19)
- Language
- German
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Geiger: Zur Kritik der neuesten jüdischen Geschichtschreibung. 391 ihrer Nachfolger, die Stellung derselben zu der Regierung wird nach den Quellen anschaulich und gut dargestellt. M. Brann's „Geschichte des Landrabbinats in Schlesien" bietet weit mehr als der Titel sagt. Die sehr ausführliche Studie ist eine treffliche Vorarbeit zur Geschichte der Juden in Breslau und in vielen einzelnen kleineren Städten Schlesiens. Zu der fleißigen und umsichtigen Arbeit sind die Akten des Staatsarchivs, des Breslauer Gcmeindearchivs und eine sehr ausgedehnte gedruckte Literatur, darunter auch hebräische Quellen, z. B. die Gebet- und Gedenkbücher der jüdischen Gemeinden benutzt. Besonderes Interesse verdient ein hebräisches und in gleichzeitiger deutscher Übersetzung vorliegendes Gedicht, welches der Rabbiner Gumverz auf Friedrich II. bei dem Einmarsch der Preußen in Schlesien machte (S. 244) oder die Rede auf Friedrich Wilhelm II. (S. 264 unten ff.) Auch die ganze Auffassung ist durchaus zu billigen. Die Art, wie hier von den Bestrebungen der Aufklärer gesprochen wird, sticht in sehr angenehmer Weise gegen das zelotische Gepolter Rippners ab. Man kann an einer Vergleichung beider Stellen leicht erkennen, wie ein wissenschaftlich gebildeter, und wie ein unwissenschaftlich denkender Mensch dieselben Dinge behandelt. Ich schließe diese Betrachtung mit der Erwähnung desselben Mannes, dessen selbständig erschienene Monographie diese Uebersicht eröffnete. D. Kaufmann's Aufsatz „Barthold Dowe Burmania und die Vertreibung der Juden aus Böhmen und Mähren" ist nach ungedruckten Briefen des holländischen Gesandten B. aus Wien „an die Hochm'ögenden" gearbeitet. Der genannte holländische Gesandte versuchte 1745 und 1746 der von Maria Theresia geplanten und wirklich ausgeführten Bertreibung der Juden aus den genannten Provinzen des Kaiserreichs entgegenzutreten, freilich ohne Erfolg. Aber das ganze Wirken des genannten Mannes und sein gelegentlich gebrauchter Satz, „daß die Souveraine, man sage was man wolle, verantwortlich seien für ihre Thaten vor Gott und vor den Menschen, ja mehr noch als andere" verdienten eine Hervorhebung und Besprechung. Für die Geschichte der Juden ungemein charakteristisch ist die Notiz, daß etwa zwei Jahre nach der Vertreibung Prag den Juden wieder geöffnet wurde und zwar, wie es in einem Rescript der Maria Theresia heißt, sie gestatte dies „nur allein, weil so inständigst die Länder es verlangen und ihre äußersten Kräfte anspannen". Nach diesen Betrachtungen enthalte ich mich weiterer Folgerungen. Ich habe den Eindruck, welchen die verschiedenen Arbeiten auf mich gemacht haben, dem Leser darzulegen versucht, Gutes und Schlechtes streng unterschieden. Der Kundige wird nun selbst wissen, sich seine Führer zu wählen und die falschen Wege, welche deutlich genug bezeichnet worden sind, zu vermeiden.