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Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland · 1889-01-01 · Heft 3 · p. Seite 383

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Journal
Zeitschrift für die Geschichte der Juden in Deutschland
Volume
1889
Issue
Heft 3
Article
Zur Kritik der neuesten jüdischen Geschichtschreibung
Date
1889-01-01
Page
Seite 383 (sequence 11)
Language
German
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Geiger: Zur Kritik der neuesten jüdischen Geschichtschreibung. ZZZ gebraucht wird. („Verbessert und verbösert" zusammengestellt von Christian Wilhelm Kindleben in „Freimüthige Beurtheilung des Neuen Berlinischen Gesangbuches", Frankfurt, Halle, Leipzig 1781, S. 16). Doch das sind alles Kleinigkeiten, die bei einer etwas schärfern Redaktion leicht hätten vermieden werden können, und die, selbst wenn sie verdoppelt und verdreifacht wären, nicht im Stande sein würden, den Werth des Buches zu verringern. Es ist auch nicht die Gelehrsamkeit des Verfassers, die ich bekämpfen muß, sondern seine Tendenz. Der wissenschaftliche Werth des Buches wird in meinen Augen und gewiß auch in den Augen vieler Historiker dadurch verringert, daß der Verfasser von bestimmten Tendenzen ausgeht, daß er gewisse vorgefaßte Meinungen hat und diesen zum Siege verHelsen will. Zu diesen vorgefaßten Meinungen gehören hauptsächlich zwei: Erstens, daß die Juden geistig und gesellschaftlich während des genannten Zeitraums mit den Christen in einer verhältnißmäßig engen Gemeinschaft lebten, und zweitens, daß sie moralisch weit höher standen als jene. Um diese Sätze zu beweisen, geht der Verfasser in der Art vor, daß er für die Juden aus den Gutachten und den übrigen von ihm benutzten Quellen diejenigen Stellen heraushebt, welche Achtung vor den Christen, gesellschaftliche Annäherung an dieselben beweisen, während er aus den deutschen, von Christen herrührenden Schriften nur solche Stellen zitirt, welche Klagen über die geistigen und moralischen Zustände enthalten. Ich will dies an zwei Beispielen kenntlich machen. Es giebt in den deutschen und lateinischen Schriften des 15. Jahrhunderts zahllose Klagen darüber, daß die Priester der Wissenschaft sich entfremdeten, daß die Gelehrten das Deutsche verachteten. Es giebt serner unendlich viele Strafreden über Unsittlichkeit und Unkeuschheit der Männer und der Frauen. Aus diesen Klagen, die durchaus in ihrem Werth und ihrer Bedeutung nicht geschwächt werden sollen, schließt Güdemann erstens (S. 71), daß alle Diejenigen, welche nicht lateinisch schreiben und lesen konnten, überhaupt weder zu lesen noch zu schreiben verstanden, und zweitens (S. 118), daß die Monogamie in Deutschland überhaupt nur eine äußerliche gewesen sei. Man braucht diese beiden Behauptungen mit den Worten des Verfassers überhaupt nur hinzustellen, um jedem Kenner der damaligen Zustände das Unhaltbare dieser Sätze darzulegen. Der Versuch aber, diese Sätze zu beweisen, muß als gänzlich mißlungen bezeichnet werden. Auf den ersten Satz einzugehen, wäre Zeit- und Raumverschwendung. Die zahllosen Chroniken, Handelsbücher, Briefe, herrührend von Männern und Frauen, die zum allergrößten Theile kein Latein verstanden, widersprechen der Güdemann'schen Behauptung durchaus. Die Quellenstellen, auf welche Güdemann bei dem versuchten Nachweise der letztern Behauptung sich beruft, sind eine Aeußerung Luthers und eine Aeußerung Geilers von Kaisersberg. Jene ist, wenn auch gewiß nicht völlig unwahr, so doch tendenziös zugespitzt, dazu bestimmt, die Notwendigkeit einer Reform gegenüber den verrotteten Zuständen des Katholizismus darzulegen. Diese hat mit den ehelichen Zuständen überhaupt gar nichts zu thun, sondern spricht von der Verderbtheit der Nonnenklöster. Daß diese Verderbtheit aber in erster Linie durch die Priester, d. h. also durch die Unverheiratheten verschuldet war, liegt auf der Hand. Außer diesen 25*

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